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Sechstes Kapitel.
Beziehung mehrerer Prädikate auf einander. Bedeutung des Namen«.Verwechslung des Nothwendigen mit nicht Nothwendigem. Formelleund sachliche Unterschiede.
Wenn ein ein Subjekt von zwei Prädikaten nur das eineoder andere zukommen kann, — wie z. B. dem Menschen ent-weder die Krankheit oder die Gesundheit — und wir nun imStand sind, über das eine zu sagen, daß es znkommt oder nichtzukommt, so werden wir auch mit dem andern leicht fertig werden.Dieses Verfahren gilt nach beiden Seiten: haben wir nemlichgezeigt, daß das eine zukommt, so haben wir eben damit auchgezeigt, daß das andere nicht zrckommt, und haben wir gezeigt,daß das eine nicht zukommt, so haben wir eben damit auch ge-zeigt, daß das andere zukommt. Es ist also klar, daß dieserGesichtspunkt nach beiden Seiten hin zutrifft.
Ferner kann man die Sache so anfassen, daß man den Aus-druck auf seine eigentliche Bedeutung zurückführt, indem sich an-nehmen läßt, daß er so besser zu verstehen ist, als wenn mandie gewöhnliche Ausdrucksweise läßt; z. B. beherzt ist eigentlichnicht der Tapfere, wie man gewöhnlich sich ausdrückt, sondernder, welcher das Herz am rechten Fleck hat; so ist hoffnungsvollder, welcher voll guter Hoffnung ist, und ebenso ist glücklich der,mit dessen Glück es gut bestellt ist, wie denn Lenokrates sagt,glücklich sei derjenige, welcher eine gute Seele hat, denn in derSeele beruhe das Glück des Menschen.
Von den Dingen sind ferner die einen nothwendig, die an-dern gewöhnlich, noch andere zufällig. Wenn man nun das Noth-wendige als gewöhnlich setzt oder das Gewöhnliche als nothwen-dig, entweder es selbst oder das dem Gewöhnlichen Entgegengesetzte,so gibt dieß immer einen Anhaltspunkt für einen Angriff. Wennnemlich daS Nothwendige als gewöhnlich gesetzt wird, so ist offen-bar damit gesagt, daß es nicht Allem zukomme, während es dochAllem zukommt, also ist ein Fehler gemacht worden, und ebensoist es, wenn das Gewöhnliche als nothwendig gesetzt wird; in