das Doppelte und das Halbe, Blindheit und Gesicht, Sein undNichtsein derselben Wissenschaft angehören. Sobald nemlich anirgend einem gezeigt ist, daß es nicht dieselbe Wissenschaft ist, sowerden wir das Problem aufgehoben haben, ebenso auch, wennes gar keinem zukoinmt. Dieser Gesichtspunkt ist nach beidenSeiten zu verwenden, für's Behaupten und für's Widerlegen. Dennwenn nach vorgenommener Theilung der Satz an allem oder anvielem sich Nachweisen läßt, so muß man verlangen, daß man ihnallgemein setze, oder eine Einwendung Vorbringen, in welcher Be-ziehung er nicht gelten soll; thut man weder das eine noch dasandere, so wird eine solche Weigerung sinnlos erscheinen.
Ein weiterer Gesichtspunkt ist der, daß man Begriffsbestim-mungen bildet sowohl von dem Beigelegten, als auch von dem,welchem es beigelegt ist, entweder von Beidem je nach seiner Be-schaffenheit oder vom einen und andern; sodann daß man fragt,ob etwas nicht Wahres in den Begriffsbestimmungen als wahrangenommen ist. Z. B. wenn es sich darum handelt, daß manGott Unrecht thue, so ist die Frage: was ist Unrecht thun? Heißtdieß nemlich so viel als: absichtlich beschädigen, so ist klar, daßman Gott kein Unrecht thnn kann, denn es ist ja nicht möglich,daß Gott beschädigt werde. Und wenn der Rechtschaffene neidischsein soll, so fragt sich: was ist neidisch und was ist Neid? Istnemlich der Neid eine Unlust über offenbares Wohlergehen einesrechtlichen Menschen, so ist klar, daß der Rechtschaffene nicht nei-disch ist, , sonst wäre er ja schlecht. Und wenn der Vergeltnngs-süchtige neidisch ist, so fragt sich, was beide Bezeichnungen bedeu-ten. Auf diese Weise nemlich wird es deutlich werden, ob dieaufgestellte Behauptung wahr oder falsch ist, z. B. also, wennneidisch derjenige ist, welcher über das Wohlergehen der GutenUnlust empfindet, vergeltungssüchtig aber derjenige, welcher überdas Wohlergehen der Bösen Unlust empfindet, so ist klar, daßder Vergeltungssüchtige nicht neidisch sein kann. — Man mußübrigens auch oft anstatt der in den Begriffsbestimmungen ent-haltenen Worte ganze Begriffsbestimmungen nehmen und nichtNachlassen, bis man auf Bekanntes kommt; häufig nemlich istdurch Aufstellung der vollständigen Definition das, um was cS