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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
Entstehung
Seite
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(Hohen) beim Ton ist das Tiefe entgegengesetzt, beim Winkelaber das Stumpfe. Es ist also klar, daß das dem Spitzen Ent-gegengesetzte in mehrfachem Sinn zu verstehen ist. Ist aber dießso, so ist das gleiche auch beim Spitzen der Fall; denn je nach-dem man jene beiden nimmt, ist auch das Entgegengesetzte wiederein anderes. Denn nicht ein und dasselbe Spitze wird demStumpfen und dem Tiefen entgegengesetzt sein, Wohl aber ist dasSpitze beiden entgegengesetzt. Ferner dem (Tiefen oder) Schwerenim Ton ist das Hohe entgegengesetzt, beim Körper aber das Leichte,also hat das Schwere verschiedene Bedeutungen, da ja auch seinEntgegengesetztes verschiedene Bedeutungen hat. Ebenso ist demSchonern, wo von einem lebenden Wesen die Rede ist, das Häß-liche entgegengesetzt, wo aber von einem Haus, das Armselige,also ist das Schöne homonym.

In manchen Fällen liegt der Unterschied nicht in der Be-zeichnung, faßt inan aber den Begriff ins Auge, so erkennt manauf der Stelle den Unterschied, z. B. beim Hellen und Dunkeln.Ein Ton heißt hell und dunkel, ebenso aber auch eine Farbe.Hier liegt der Unterschied nicht in der Bezeichnung, dagegen zeigtsich sofort ein Unterschied im Begriff; denn die Farbe wird nichtin demselben Sinn hell genannt wie der Ton. Dieß läßt sichja auch aus der sinnlichen Wahrnehmung erkennen, denn für dasdem Begriff nach Identische haben wir Eine und dieselbe sinnlicheWahrnehmung, das Helle aber im Ton erkennen wir nicht durchdenselben Sinn wie das Helle in der Farbe, sondern das letzteredurch das Gesicht, das erstere durchs Gehör. Ebenso verhält essich mit dem Scharfen und Stumpfen beim Geschmack und beimKörperlichen; das letztere erkennen wir durch den Tastsinn, daserstere durch den Geschmackssinn. Auch hier ist kein Unterschiedin der Bezeichnung, weder bei den Begriffen selber noch bei demEntgegengesetzten, denn das Stumpfe ist in beiden Fällen dasEntgegengesetzte.

Ferner ist zu untersuchen, ob hier ein Entgegengesetztes vor-handen ist, dort aber schlechthin nicht; z. B. das Vergnügen,welches durchs Trinken entsteht, hat zum Entgegengesetzten dieUnlust, welche durch den Durst entsteht, dagegen das Vergnügen,