Fünfundzwanzigstes Kapitel.
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Dinge auf keine von beiden Weisen dargestellt, so dient alsEntschuldigung, der Dichter folge der allgemein verbreiteten Sagewie z. B. in bezug auf alles, was die Götter betrifft. Denn^ man kann vielleicht nicht sagen, daß hier die Gegenstände inder Darstellung des Dichters über die Wirklichkeit erhaben,noch ihr gemäß sind, sondern es heißt da, wie beim Xeno'-phanes.b Allein der Glaube der Menschen lautet eben anders.
und Charaktere Reden und Handlungen von allgemeiner innerer Wahr-heit und Notwendigkeit. Nicht sittlich bessere, idealere Menschenhat Sophokles nach diesem seinem Ausspruche schildern wollen und ge-schildert, sondern „künstlerisch wahre", d. h. solche, wie sie nach denGesetzen der Kunst sein müssen. Euripides dagegen (sagt Sophokles)hielt sich in seiner Charakteristik und Schilderung nur an die Wirklichkeitdes Geistes und Charakters seiner eigenen Zeit, der doch keineswegs der» Geist und Charakter aller Zeiten überhaupt war. Er gab Individuenvoll sprechender, so zu sagen materieller Lebenswahrheit, Sophokles-Typen,die einen symbolischen Gattungscharakter tragen (Schiller im Briefwechselmit Goethe II, S. 118). Man lese die vortreffliche Auseinandersetzungvon Hurd in Lessings Hamburgischer Dramaturgie T. II, St. 94 (VII,S.417—425 Lachmann), und vgl. Schlegel, Dramatische Vorlesungen,II, 175; 206; Blü inner über Euripides' Mede'a S. 22; Ulrici inden Berliner Jahrbüchern, 1836, Dezcmberheft, S. 891. — Ganz ebensoläßt Aristo'phaneö den Euripides sich über seine Kunstweise aussprechen,denn alles, was Euripides in den „Fröschen" von seiner Poesie sagt, läuftim wesentlichen darauf hinaus, daß er seine Zeit, ihre Menschen undVerhältnisse schilderte (V. 969 Dindorf):
„Ich bracht' auf die Bühne unsere Zeit, darin wir leben und weben!"Man vergleiche über den Sophokleischen Ausspruch noch Solger, Nach-gelassene Schriften, II, S. 452; Müller, Geschichte der Theorie der! Kunst bei den Alten, I, S. 146 und 223.
8. Dies ist entschieden unaristotelisch. Vgl. XIV, 5; XV, 8; XVII,Z; XXIV, 10.
9. Xenophanes aus Ko'lophon, eleatischer Philosoph (um 504 vor Chr.),rationalistischer Aufklärer des Volksglaubens (Aristoteles, Rhetorik,