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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

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Alle Menschen berichten gern mit eigenen Zusätzen, weil sieglauben, damit zu gefallen.

9. Nun hat aber Homer vorzugsweise allen anderen Dichternein Vorbild gegeben, wie man Unwahres sagen muß. 20 DieseManier besieht in einem Trugschlüsse. Es meinen nämlich viele ^Menschen, daß, wenn im allgemeinen von dem Sein oderGeschehen des einen bestimmten Dinges das Sein oder Gescheheneines anderen die begleitende Folge ist, daß dann, sobald dasSpätere ist, auch das Frühere sein oder geschehen müsse. Dies

ist aber unrichtig, und darum kann in solchem Falle auch das

erste sehr wohl unrichtig sein. Aber auch wenn dies (das erste)

wirklich ist, so folgt darum doch noch keineswegs mit Not-

wendigkeit, daß das zweite sei oder stattfinde. Der falscheSchluß, den unsere Seele macht, ist nämlich der: weil sie daszweite als wahrseiend weiß, so nimmt sie auch das erste alswirklich seiend an. Beispiel: das folgende aus denNi'ptra".^

20.D. h. wie die vom Dichter eingeführten Personen schicklichUnwahrheiten anzubringen oder vielmehr Andere irre zu leiten haben."Knebel.

21.Viele", in der Übersetzung, drückt den fehlenden Artikel vorMenschen" aus.

22. Über die Niptra s. die Anmerkung zu Kap. XVI, § 3. DasBeispiel ist höchst treffend. Penelope will dort den als Bettler ver-mummten Ody'sseus, der ihren Gemahl zu kennen und Kunde von ihmzu bringen vorgibt, ein wenig ausforschen. Sie fragt ihn also:

Nun ich muß dich doch noch ein wenig prüfen, 0 Fremdling,

Ob du meinen Gemahl auch wirklich, wie du erzähltest,

Samt den edlen Genossen in deinem Hause bewirtet.

Sage mir denn, mit welchen Kleidern war erbekleidet?Und wie sah er aus? Auch nenne mir seine Gefährten!

Der Schluß der Penelope ist dieser: Wer einen andern längere Zeit beisich gesehen und bewirtet hat, der muß notwendig wissen, wie er gekleidetwar und aussah. Nun erfährt sie durch den angeblichenkretischenFremdling" in beider Hinsicht wirklich das richtige, also, schließt sie, muß