Zweiundzwanzigstes Kapitel.
165
Edel aber und das Gemeine ablegend wird der sprachliche Aus-druck, wenn er die fremdartigen Bezeichnungen in Anwendungbringt. Unter fremdartiger Bezeichnung verstehe ichFremdwort, Metapher, Verlängerung und mit einem Wortejede Ausdrucksweise, die von der gemeinüblichen abweicht. ^
2. Allein wenn ein Dichter sich beikommen ließe, in lautersolchen Ausdrücken zu reden, so wird seine Sprache entwederein Rätsel oder ein Kauderwelsch werden, ein Rätsel, wenn sieaus lauter Metaphern, ein Kauderwelsch, wenn sie aus lauterFremdwörtern bestünde. Denn die Idee des Rätsels ist diese,daß man, indem man von wirklichen Dingen spricht, Unmöglicheszusammenfügt. Dies kann man nun nicht bewerkstelligen durchdie Verbindung der eigentlichen Ausdrücke, wohl aber kann manes durch Anwendung der Metapher, zum Beispiel:
„Einen sah ich mit Feuer Metall anheften dem andern" —und anderes derart. ^
phanes, der von ihm spottend in einer seiner verlorenen Komödien, indem Gery'tades, sagte (bei Athenä'os IX, 367 ö):
Wie mach' ich's, daß ich des Sthenelos Sprache hinunter bring'?
In Essig mußt du sie tunken oder in weißes Salz.
Wir sehen also, daß der boshafte Komiker an dem sprachlichen Ausdruckedes Sthenelos dieselbe Fadheit und denselben Mangel an Würzetadelte, derentwillen Aristoteles hier seine Poesie als Beispiel anführt.Ob der Sthenelos, dessen Aristo'phanes in den „Wespen" (Vers 1313)als eines unordentlichen Haushalters gedenkt, der Dichter sei oder einanderer, weiß ich nicht zu sagen.
4. Dadurch, sagt Aristoteles, Rhetorik III, 2, erhält die Spracheetwas Vornehmes: „Das Fremde und Ferne ist es, was den Menschenanzieht, und wie den Menschen die Fremden interessanter sind als ihreMitbürger daheim, so geht es ihnen gerade auch mit dem sprachlichenAusdrucke."
5. Wir kennen das von Aristoteles auch in der Rhetorik (III,Kap. 2) angeführte Rätsel vollständig aus Athen Los, wo es also lautet(X, S. 452 L):