Siebzehntes Kapitel.
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Siebzehntes Kapitel.
I. Es muß aber der tragische Dichter seine Fabeln so kom-ponieren und in der sprachlichen Darstellung ausführen, daß erdieselben in jedem Augenblicke so viel als irgend möglich sichselbst leibhaftig vor Augen gegenwärtig hält. Denn so allein,wenn er sie mit möglichster Deutlichkeit sieht, wie wenn er selbstbei allem, was geschieht, mit anwesend wäre, kann er finden,was das jedesmal Passende ist, und sich möglichst wenig über dasGegenteil täuschen. Einen Beweis dafür liefert der Vorwurf, denman seiner Zeit vielfach dem Karki'nos machte. Er hatte nämlichseinen Amphiara'os aus dem Tempel zurückkehren lassen, ohnedaß die Zuschauer dies sahen, die also darüber in Unwissenheitblieben; darum fiel das Stück bei der Aufführung durch, weil dieZuschauer dies übel vermerkten?
Fahre später Lebende Rücksicht zu nehmen. Vgl. A. Stahr, Lristotslia,T. II, S. 70; S. 294—297; S. 838. Hierher gehört auch die Anekdotevon Klea'nth, der zu arm war, um sich Papier zum Nachschreiben derVorträge seines Lehrers zu kaufen.
I. Einen ähnlichen lächerlichen Fehler hebt Lessing an Voltaire's„Merope" hervor (Hamburgische Dramaturgie, I. Stück, S. 44; VII, S. 201bis 202 Lachmann). Der Dichter, sagt Aristoteles, soll stets sein Werk,während er es schafft, gleichsam leibhaftig vor den Augen haben. HätteKarkinos dies gethan, so würde er sich gesagt haben, daß er seinenAmphiaraos, den er vor den Augen der Zuschauer hatte in den Tempel gehenlassen, nach der Einrichtung der griechischen Bühne auch vor den Augen derZuschauer wieder hätte herauskommen lassen müssen, da diese sonst annehmenmußten, Amphiaraos sei immer noch in dem Tempel, so lange sie ihnnicht hatten herauskommen sehen. Denn „der Tempel" war in der De-koration der Bühne mit seiner Eingangshalle den Zuschauem zugekehrt,und Zwischenakte mit einem Vorhänge, der die Bühne verdeckte, gab esdamals nicht. Wenn also der Held des Dichters dennoch auf der Bühne