Druckschrift 
3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

Fünfzehntes Kapitel.

127

bei jeder Menschengattung, denn auch ein Weib kann sittlichtüchtig sein, ebenso ein Sklave, obschon vielleicht von beiden daseine ein geringeres Wesen (als der Mann), der andere, im all-gemeinen betrachtet^, ein schlechtes und armseliges ist.

2. Der zweite Punkt begreift das Angemessene. ^ Es gibtz. B. allerdings einen tapferen Charakter; aber es ist für ein

4. öXmr im allgemeinen betrachtet, steht entgegen dein rgänvv

-riv«, d. h.in gewisser Beziehung genommen". Vgl. Aristoteles,Tiergeschichte, I, Kap. 8, § 3 Schneider. An und für sich kann derSklave als solcher nach Aristoteles und den Begriffen der Alten keinenAnspruch darauf machen, ein /pysrv; zu sein. Sofern er Sklave ist,ist er ein verächtliches, elendes, schlechtes Wesen, ein der Gegen-

satz zu dem Tüchtigen und Guten, zu der Tugend des freien Mannesund Bürgers, der mit einem Sklaven als solchem so wenig einen sitt-lichen Zusammenhang haben kann, als mit einemseelenlosen Werk-zeuge", denn das ist der Sklave im Verhältnis zu dem Freien. Aber alsMensch zum Menschen kann er mit ihm einen solchen haben nach demUrteile des sehr christlich denkenden Stagiri'ten. S. Nikoma'chische E thikBuch VIII, Kap. II, §§ 6 fg. Als Mensch betrachtet kann daher auchder Sklave einen gewissen Anspruch auf sittliche Tüchtigkeit machen.Über das Verhältnis des Weibes zum Manne vgl. Aristoteles, Niko-machischc E'thik, VIII, 7, I; 10, 5; 12, 7. Die Frau hat nach Aristo-teles die höhere Natur des Mannes anzuerkennen (Politik I, Kap. 2;vgl. I, 5, § 7), sie darf nicht herrschen außer in ihrem Kreise; aber siehat als Weib ihre bestimmte sittliche Tüchtigkeit, ihre kirieixA« (Nikoma-chische Ethik VIII, 12, 7), welche der Mann respektieren muß, obschonan und für sich ihr Geschlecht das schwächere, untergeordnete ist. Diephysiologische Begründung hiervon gibt Aristoteles in seiner Tier-geschichte IX, I, wo nur moderne Weichlichkeit eine ungerechte Härte ge-gen das weibliche Geschlecht finden kann.

5. Ausführlich behandelt diesen Punkt der dichterischen Charakte-ristik Horallius in der Dichtkunst V. 114 124. Aristoteles odersein Epitomallor faßt sich darüber sehr kurz.