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Aristoteles, Poetik.
überhaupt haben, wenn, wie oben gesagt wurde 2, ihr
Reden oder ihre That irgend eine Absicht ans Licht stellt, undim speziellen Falle sittlich tüchtigen Charakter, wemn diese einesittlich tüchtige ist.» Solche sittliche Tüchtigkeit ist möglich
Rhetorik (III, Kap. 16). „Was ist es," fragt er dort, „was einer Erzählungder Thatsachcn sittliche Farbe gibt? Dazu dient erstens, daß man seine Ab-sicht s-poalgeL!;) kund gibt. Nach der Beschaffenheit dieser letzteren richtetsich auch die Beschaffenheit des Charakters (des ijOo;). Die Beschaffenheitder Absicht aber hängt von dem Endzwecke (rul rilel) ab." Wer also einensittlich guten Endzweck bei seinem Thun vor Augen hat, kann zwardurch sein Handeln mit anderen sittlichen Pflichten in Kollision geraten,ja gegen diese sündigen; aber sein Charakter bleibt darum doch ein sitt-lich tüchtiger (ein Beispiele: Orestes, der in Pflicht der Blut-
rache die Mutter tötet; ÖdipuS, der seinen Vater unwissend zwar undin anscheinend gerechter Vergeltung eines Angriffs erschlägt, aber dochdarin fehlt, daß er, dem geweiSsagt war, daß er seinen Vater erschlagenwerde, nicht jeden altern Mann verschont; Anti gone gegenüber dem Ge-setze des Staats, das Kreon, Kreon gegenüber der Antigone, die das un-geschriebene Gesetz der Pietät vertritt. Sic alle begehen schwere Versün-digungen aber ihre sittliche Absicht (ihre ngoalgM;) an sich
ist eine gute, weil ihr Zweck ein guter ist, uud somit sind und bleibensic selbst in ihren schweren Thaten sittlich tüchtige Menschen und Gegen-stände unserer Theilnahme. Wenn aber ein Mensch aus gemeiner Absicht,aus niedrigem Eigennutz handelt, wie Menela'os in Euripides' Orestes(s. unten § 5), so ist er eben kein honnetter Charakter, kein xgTjaro;,sondern ein Lump, und als solcher gehört er nicht in die Tragödie, zu-mal wenn die Fabel, das Sujet selbst einen solchen Charakter und sol-ches Handeln nicht, wie Aristoteles hinzusetzt, mit innerer Nothwendigkeit for-dert. Das griechische xi", 2 ro; ist das altdeutsche frum. (S. BischerI, S. 304).
2. S. Kap. IV, §§ 16 fg.
3. Die in den meisten Ausgaben und einigen Handschriften stehen-den Worte srLv ääv PauXr; sind ein unnützes Einschiebsel einesLesers, der den Sinn des Aristoteles nicht verstand.