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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Aristoteles, Poetik.

Leidenschaften in solchen Verhältnissen ausbrechen, deren Wesendie Liebe ist, also wenn z. B. ein Bruder den Bruder oder einSohn den Vater oder eine Mutter den Sohn oder ein Sohn seineMutter tötet oder zu töten beabsichtigt oder sonst etwas derartthut, solche Stoffe muß der Dichter suchen. ?

5. Was nun die von der Sage fertig überkommenenFabeln anlangt, so ist es dem Dichter nicht gestattet, dieselbenaufzulösen u, daß heißt: er darf zum Beispiel nichts daranändern, daß Klytämne'stra von der Hand des Orefftes und Eri-phy'le von der Hand des Alkmä'on stirbt. Selbst zu erfinden.

haben. Der Thäter ist daher kein Gegenstand des tragischen Mitleids fürden Zuschauer, der höchstens sich eines augenblicklichen menschlichen Mit-gefühls für den Sünder, den der Rächer erschlägt, nicht erwehren kann.

7. Vgl. Bischer, Ästhetik, I, S. 313:Diese Stelle enthält einensehr treffenden Wink für die wahrhaft tragischen Kollisionen, gilt aber kei-neswegs allein für die vorliegende dritte Form des Tragischen (Kollisionzweier gleichberechtigten Mächte), vertreten durch zwei in Gegensatz gera-tende Personen sondern die Worte des Aristoteles gehen ebenso ansdie zweite Form, die einfache Schuld, wie auf die dritte, den tragischenKonflikt. Denn wenn ein Bruder den Bruder u. s. w. tötet, so kann diesgeschehen aus Haß überhaupt und Schlechtigkeit, wie es Richard III.thut, cs kann ihn aber auch ein berechtigtes Pathos dazu treiben, wie denPolynei'kes gegen Ete'okles, der ihm seinen Anteil an der Herrschaft überThe'ben verweigert. Tragisch ist auch die erstere Form, denn sie verletzt,was durch Liebe gebunden sein soll, tragischer aber die letztere, denn hiererst gerät mit der Liebe ein anderes Gesetz in Streit, das Recht, demnicht Genüge gethan werden kann, ohne jene zu verletzen. Aristoteles hatbeide Formen nicht unterschieden."

8. Eine von der Überlieferung gegebene Fabelauflösen" nenntes Aristoteles, wenn der Dichter sie in ihrer wesentlichsten Kompositionalteriert, wenn er z. B. die Orestesfabel so behandelt, daß in seiner Dar-stellung die Mutter nicht vom Sohne getötet wird.