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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Vierzehntes Kapitel.

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uns der Dichter bereiten soll, so liegt es am Tage, daß er dies ^in die dargestellten Thatsachen hineinzudichten hat.

4. Untersuchen wir jetzt, welche Art von Vorfällen in derTragödie furchtbar oder mitleidswert erscheinen. Notwendigmüssen zunächst Handlungen dieser Art entweder von Freundengegen Freunde oder von Feinden gegen Feinde oder von Perso-nen, die keines von beiden sind, gegen einander verübt werden.Wenn nun ein Feind den andern tötet, so gewährt er uns we-der in dem Augenblicke, wo er die That vollbringt, noch währender mit ihrer Vollbringung umgeht, ein mitleidswürdiges Schau-spiel, außer dem, was aus der gewaltsamen That selbst, sofernsie ein Leiden ist, entspringt, o Ebenso wenig wenn die Personenweder Freunde noch Feinde sind. Wenn aber die zerstörenden

5. Dies, roö-ro, d. h. die Fähigkeit, bei dem Hörer und Zuschauerdie Empfindungen der Furcht und des Mitleids zu erwecken.

6. Ein Leiden nämlich für den, welcher getötet wird. Aus dieserStelle geht klar hervor, was stets festzuhalten ist, daß Aristoteles Furchtund Mitleid der Zuschauer in der Tragödie immer nur auf das Thunund Leiden des Helden bezieht. Wenn ein Feind mit Absicht seinenFeind tötet, wenn z. B. Orest den Äghi'st erschlägt, so ist dies an sichnoch kein tragisches Schauspiel für den Helle'nen und nimmt dessen Mit-leid keineswegs in Anspruch, wenn schon die That selbst (»ürä -N-Kr>;, vgl. Herodo't I, l37), insofern ein Mensch durch sie den Toderleidet, unser menschliches Mitgefühl erregen mag. Ganz unrichtig abererklärt Ritter (S. 180) den Sinn des Philosophen, wenn er meint,Aristoteles nenne einen solchen Fall untragisch, weil wir mit einem ab-sichtlichen Mörder, der also nicht unschuldig sein könne, kein Mitleid zufühlen vermögen und eben so wenig tragische Furcht empfinden können,weil sich kein Zuschauer in seine Stelle versetzen, d. h. fürchten könne,im ähnlichen Fall werde er selbst ähnlich handeln. Gerade umgekehrtverhält sich die Sache. Daß ein Feind den andern vernichtet, erschiendein kräftigen Sinne der Alten durchaus in der Ordnung, und jederHelle'ne würde an Orests Stelle den Äghist mit bestem Gewissen erschlagen