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Aristoteles, Poetik.
den Verlauf der Begebenheiten bloß als Hörer vernimmt, infolgedessen, was da geschieht, Schauer und Mitleid empfindet, wie dassicherlich bei einem der Fall sein wird, der die Fabel des Ödipushört. 2
2. 3. Diese Wirkung hingegen durch die Darstellung fürsAuge ist weniger künstlerisch und abhängig von dem scenischenAufwands der Choregie'.b Die Dichter aber, welche durch dieDarstellung nicht das, was Furcht, sondern lediglich das, wasStaunen erregt^, zu Wege zu bringen streben, haben gar nichtsmehr mit der Tragödie gemein. Denn nicht alle und jede Lustsoll man von der Tragödie verlangen, sondern die ihr eigentüm-liche. Da es nun die aus Mitleid und Furcht durch Vermitte-lung der dichterischen Darstellung hervrgehende Lust ist, welche
„Fürs erste: du ließest in Lumpen gehüllt auftreten die
Könige waren,
Um des Mitleids wert sie zu zeigen dem Volk!"
2. Dgl. Müller II, S. 61 ff.
8. Der Dichter, der zur Erregung der tragischen Empfindungen desMitleids und der Furcht oder, wie hier Aristoteles sagt, des Schauerge-fühls (<j>sslrrc^) die Wirkung durch den Gesichtssinn nötig hat, steht alsKünstler auf einer niedrigeren Stufe und macht sich abhängig von dem,der für die Ausstattung und Jnscenierung seines Stücks die Kosten zutragen oder, wie es griechisch heißt, die Choregie' zu leisten hat, die zuAthen eine kostspielige Sache und eine Leistung war, welche den reichstenBürgern oblag. Näheres darüber in Pauly's Nealencyklopädie II,S. 235 fg.
4. Aristoteles hat hier solche Dichter im Auge, welche mit den ro-mantischen äußeren Effektmitteln, mit Zaubererscheinungen und Wundern,mit Vorführung von Giganten und Titanen, Göttererscheinungcn, Blitzund Donner und überhaupt mit den Paukeuschlägen des Bühneneffektsauf diejenigen zu wirken suchen, die von der Tragödie verlangen, daß die-selbe ihnen äußerlich Ungeheuerliches und Wunderbares zur Erschütterungihrer Nerven sichtbar vorführe.