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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
Entstehung
Seite
107
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Elftes Kapitel.

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andere, ihm folgt, um ihn zu töten, geschah es, daß infolge desGanges der Ereignisse der letztere umkam, während der ersteregerettet wurde.

2. Erkennung zweitens ist, wie schon der Name anzeigt,die aus Unwissenheit in Wissen stattfindende Wandlung, die entwe-der zu Freundschaft oder zu Feindschaft zwischen den zu Glückoder Unglück bestimmten Personen führt. Die schönste Erkennungist aber die, wenn mit ihr zugleich plötzliche Schicksalswechsel ein-treten, wie dies zum Beispiel in dem Ödipus der Fall ist. 5

3. Es gibt allerdings auch noch andere Erkennungen, dennauch in bezug auf leblose oder sonst irgend welche zufällige Dingeereignet es sich manchmal, daß das Gesagte eintritt; und auch obeiner etwas gethan hat oder nicht gethan hat, kann Gegenstandder Erkennung sein; allein die wesentlichste für die Fabel und diewesentlichste für die (tragische) Handlung ist die zuvorbesagte. 6

4. Eine derartige Erkennung und Peripetie wird nämlichentweder Mitleid in ihrem Gefolge haben oder Furcht, undHandlungen solcher Art find es, deren Nachahmung, wie prin-zipiell feststeht, die Tragödie ist. Dazu kommt endlich noch,daß sowohl das Glücklichsein als das Unglücklichwerden an Er-eignisse solcher Art geknüpft sein wird.

5. Da aber die Erkennung eine Erkennung zwischen verschie-denen Personen ist, so gibt es Erkennungen, die nur einseitig in

und barmherzigen Dauar'de Hypernme'stra behandelte, auch ein Ödipusvorkomnrt. Danaos war der Vater der Hypernmestra, welcher seine Toch-ter als Verräterin, weil sie den Lynkeus nicht getötet hatte, vor dasVolksgericht stellte, das sie jedoch freisprach. Wie Theodektcs den Gangder Fabel dargestellt hatte, scheint er sich derjenigen Überlieferung ange-schlossen zu haben, nach welcher Danaos durch das Rächerschwcrt des Lyn-keus Thron und Leben verlor.

5. Sophokles, König Ödipus, Vers 9241145.

6. Das heißt: eine solche Erkennung, welche zugleich mit einemGlücksumschlag (Peripetie) der betreffenden Personen, wie im Ödipus,verbunden ist. Vgl. § 2.