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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Neuntes Kapitel.

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9. Aus diesen Bemerkungen geht also offenbar hervor, daß derDichter vielmehr dadurch Dichter ist, daß er die Fabeln seinerDichtungenerfindet, als dadurch, daß er sich der metrischen Form bedient, denner ist Dichter vermöge der nachahmenden Darstellung; das aber, waser nachahmend darstellt, sind die Handlungen. Und wenn er dennselbst einmal wirklich Geschehenes dichterisch behandelt, so ist er dochnichtsdestoweniger Dichter. Denn es steht ja nichts im Wege, daßauch unter dem wirklich einmal Geschehenen sich hier und da etwasfindet, was so beschaffen ist, daß sein Geschehen wahrscheinlich odermöglich war, und insofern er dies zur Anschauung bringt, wird eran diesen historisch geschehenen Thatsachen zum Dichter."

10. Von den einfachen Fabeln und Handlungen abersind die episodenreichen die schlechtesten?" Ich nenne abereine einfache Fabel eine solche, in welcher die Episoden weder

9. Die Aufzeigung des wahren inneren Zusammenhangs und der gei-stigen Konsequenz der realen Thatsachen, welche der Dichter behandelt,das ist es, was den Dichter, dessen Kunstphilosophischer und gedanken-reicher als die Geschichte ist", auch bei historischen Stoffen als Dichter,als freienSchöpfer" erscheinen läßt. Über die Sache selbst vgl. BischerIV, S. 12071209.

10. Obgleich Aristoteles <so erklärt Knebel S. 263 den Zusammen-hang dieses Satzes mit dein Vorhergehenden) erst im folgenden Kapiteldie einfachen Fabeln und Handlungen erklärt, so kommt er dochganz sachgemäß schon hier darauf, den Kunstwert einer Art derselben zubesprechen. Denn da er behauptete, das Hauptgeschäft des Dichters be-stehe in der Komposition der Fabel, und da er für die letzteredieAufeinanderfolge der Thatsachen nach den Gesetzen der Notwen-digkeit oder Wahrscheinlichkeit" als wesentliches Merkmal aufgestellt hatte,so mußte ihm die Frage entstehen, wie denn hier sich die Praxis zu sei-ner Theorie, dieWerke der Dichter zu seinen Anforderungen verhielten. Und da erfand, daß in vielen Dramen, denen eine einfache Fabel zu Grunde lag, die von ihmgeforderte notwendige Folge vermißt wurde und durch Einflechtung von Neben-handlungen ohne wescntlichenBezugzurHaupthandlunggestörtwar, sokonnte