96
Aristoteles, Poetik.
7. Was dagegen die Bestimmung der Länge anlangt, sofern siedie Natur des Vorgangs selbst betrifft, so ist im allgemeinen immerder größere Umfang, vorausgesetzt, daß er überschaulich bleibt, hin-sichtlich der Ausdehnung der schönere. Sollen wir aber eine ungefähreeinfache Bestimmung geben, so lautet sie: Derjenige Umfang, inner-halb dessen, während eines nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitoder Notwendigkeit stetig fortschreitenden Verlaufs der Dinge,ein Umschlag aus Unglück in Glück oder aus Glück in Unglück ge-schehen kann, ist eine genügende Grenzbestimmung des Umfangs.
Achtes Kapitel.
1. Die Fabel aber ist eine nicht, wie einige meinen, wenn sie.sich um einen (Helden) bewegt. Denn diesem einen freilich^ kannVieles, ja Unzähliges passieren, wovon selbst einiges zusammen nochkeine Einheit bildet. So gehören auch einer Person viele Handlun-gen an, von denen keine einzige zu einer einheitlichen Handlung wird.
2. Darum gilt das Verfahren aller derjenigen Dichter fürfehlerhaft, welche eine Herakle'is und These'is und sonstige Dichtungendieser Gattung verfaßt haben. Sie meinen nämlich: weil He'rakleseine Einheitsperson ist, darum müsse auch die Heraklesfabel Einheithaben. ^
merkwürdige ketzerische Buch von Heigl, Über die Anti'gone und Ele'ktrades So'phokles, S. 39—44.
1. Ich lese mit Vic t o'ri us(Vnris ,6 Isetiones XXX, 3)undSylburg(krnsk. nck Lrist. Vom. II. nä Victor, x. 2) k' IVi statt der vonBekker und Ritter beibehaltenen Lesart der Handschriften «>ü 7 ^ 1 .Sylburg verweist auf das zweite Buch der Physik, wo Aristoteles ebensosagt: «neig« 7 «g rip tvl augstalL.
2. Das ist ein Gesichtspunkt, unter welchem auch in dem epi-schen Gedichte der neueren Zeit die zahlreichen lebeusbeschreiberischen