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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Siebentes Kapitel.

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6. Die Bestimmung dieser Länge mit Rücksicht auf die thea-tralische Aufführung bei den Kunstwettstreiten und auf die sinnlicheDarstellung ist nicht Sache der Asthe'tik. Denn gesetzt, es müßtenhundert Tragödien bei einem solchen Kunstwettstreite aufgeführt wer-den, so würde man allenfallsnach der Wasseruhr streiten" müssen,wie man bei der und jener Gelegenheit zu sagen pflegt.?

7. Die beste Erklärung dieser Stelle und namentlich der anstößigenletzten Worte ist die von Heinrich Knebel (Übersetzung S. 361). DerSinn ist: der äußere Umfang der Tragödien, als für die Bühnendarstel-lnng bestimmter Dichtungen, hängt von äußeren Bühnenverhältnissen ab,ist nicht Sache der Kunsttheorie. Bei den griechischen Bühnenaufführungen,die an bestimmte Festtage geknüpft waren, traten mehrere Dichter mitmehreren Stücken auf und rangen um den Preis, daher die Aufführungdurch (Wettkämpfen) bezeichnet wird. Es kam also darauf an,

wie viele Tragödien das Theatergesetz zur Aufführung zuließ, was etwasWillkürliches war. Ginge man darin zu weit, sagt Aristoteles(undhierist eine der wenigen Stellen, wo der ernste Philosoph sich einen Scherzerlaubt, dessen Tragweite und Pointe wir Spätgeborene freilich nicht mehrvöllig ermessen können, da wir die speziellen Verhältnisse der damaligengriechischen Bühne, auf die er anzuspielen scheint, nicht kennen): ließeman z. B. hundert Tragödien zur Aufführung an einem Tage zu, so würdeman zu dem Auskunftsmittel greifen müssen, die Länge (den ögv; roö^.ßxoos) jeder einzelnen Tragödienach der Wasseruhr" zu bestimmen. Nachder Wasseruhr aber bestimmte man bei Gerichtsprozessen die Zeit, welchePartei und Gegenpartei mit ihrem Verhandeln beanspruchen durften. Danun das Verhandeln vor Gericht (ä^mv^eallc-l) im Griechischen durch das-selbe Wort bezeichnet wird, wie das Aufführen der Dramen im festlichenKunstwettstreite, so deutete Aristoteles dies Wortspiel durch den Zusatzwie man zu sagen pflegt" an, ohne durch ausdrückliche Nennungderandern Gelegenheit" seinen Witz abzuplatten. Übrigens sind dieFragen: Wie viele Tragödien wurden an einem Tage, in einer Auffüh-rung (el? äxpäamv: Aristoteles, Poetik, XXIV, §, 3) gegeben?und: Wieviele Tage dauerten diese tragischen Festspiele? soviel ich weißnoch ungelöste Probleme unserer Altertumswissenschaft. Man sehe das