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Aristoteles, Poetik.
12. Ferner: wenn ein Dichter in einem fort noch so vieleethische Tiraden und vortrefflich dichterisch ausgedrückte Aussprücheund Gedanken zusammenstellte, wird er damit noch keineswegs daserreichen, was wir als die Wirkung der Tragödie hingestellt haben";sondern in bei weitem höherem Maße wird das diejenige Tragödieerreichen, die, während sie solche Tiraden vielleicht sehr sparsam an-wendet, dagegen eine richtige Fabel und Verknüpfung der Thatsachenaufzuweisen hat.
zu Raphael und Correggio. Diesen alten Meistern war es — in Über-einstimmung mit dem Charakter ihrer Zeit — um den sittlichen und reli-giösen Ausdruck zu thun, die Erregung des sinnlichen Wohlgefallens durchZeichnung und Farbe war ihnen fremd. Wie es nun aber heutigen TagsKunstkritiker giebt, welche in Fiesole und seinen Kunstverwandten dieVollendung der christlichen Kunst erblicken und den Raphaelischen Ideal-bildern das christliche Hllor absprechen, so spricht auch Aristoteles hierdem Zeuxis, welcher in Beziehung auf Naturstudium und Farbe die Kunstmächtig förderte, das E'thos ab. Nichtsdestoweniger aber stellte Zeuxisdie Pene'lope ihrem historischen Charakter getreu, bei aller Schönheit, die«ihr sein Pinsel verlieh, so sittsam und züchtig dar, daß die Kunstkennerzu Pli'nius' Zeit darin das Musterbild eines ausdrucksvollen Gemäldeserkannten (in gua pinxisss moros viäotur, sagt Plinius)." Daß aberZeuxis in seinem Stile vorzugsweise das Jealschöne anstrebte und inseiner Art wie Raphael Musterbilder des Vollkommenen darzustellensuchte, sagt uns Aristoteles selbst am Ende des fünfundzwanzigsten Kapi-tels der Poetik. Vgl. auch Kap. XX, § 8.
Ik. Vgl. Jean Paul, Vorschule zur Ästhetik, S. 101. - Daß essolche Stümper gab, welche auf diese Weise die Aufgabe und Wirkungder Tragödie, Mitleid und Furcht in idealer Weise zu erregen, erreichenzu können meinten, sehen wir aus Platon's Phä'dros <S. 268 ck), wo em'solcher sich einem So'phokles und Euri'pides als ebenbürtigen Fachgenossenlegitimieren zu können glaubt, indem er von sich aussagt, „er verstehees, nach Belieben mitleiderregende Tiraden zu dichten, und dann wiederumFurcht und Schrecken einflößende". Vgl. Bernays S. 179 fg.