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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Viertes Kapitel.

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allen anderen lebendigen Geschöpfen dadurch, daß der Mensch vor allenzum Nachahmen das geschickteste ist, wie er denn auch sein erstesLernen vermittelst der Nachahmung bewerkstelligt; und zweitens istebenso die Freude an den Produkten der Nachahmung eine natürlicheEigenschaft aller Menschen.

3. Ein Beweis dafür ist das, was wir bei Werken der Nach-ahmung geschehen sehen. Dieselben Gegenstände nämlich, welche wirin ihrer natürlichen Realität mit Unlust sehen, betrachten wir geradein ihren vollendetsten Abbildungen mit Vergnügen, wie z. B. dieGestaltungen der allerverächtlichsten Tiere, ja von Leichnamen, b

4. Der Grund auch hiervon ist der, daß das Erkenntnis gewinnennicht bloß für die Philosophen höchster Genuß ist, sondern ganz ebensoauch für alle anderen Menschen, nur mit dem Unterschiede, daß dieseletzteren nur in geringem Maße der Erkenntnis teilhaftig werden?

5. Der Grund nämlich, weshalb sie beim Erblicken solcher Ab-bildungen Lust empfinden, ist der, weil dies Anschauen begleitet istvon der schließenden Erkenntnis, was ein jedes darstellt, z. B. daßdies der und der ist^; denn in Fällen, wo der Betrachtende den Ge-

3. So sagt Plutarch:Menschen, die in schwerer Krankheit oderim Sterben liegen, sehen wir mit Schmerz, aber den gemalten Phi-lokte't und die Joka'ste des Plastikers schauen wir mit Genuß undBewunderung (Unterhaltungen beim Gelage V, 1). Aristotelische Parallel-stellen über die Lust an der Nachahmung und ihre Folgen: Rhetorik I,Kap.II, §. 23; Probleme XXX, 6; Über die Teile der Tiere, I, 5. Plutarch(Über das Anhören der Poeten, Kap. 3) sagt ferner:Beim Anblick einesgemalten Thersi'tesgesichts oder eines Affen empfinden wir Gefallen undBewunderung nicht wegen der Schönheit, sondern wegen der Ähnlichkeit."

4.Der gewöhnliche Mensch, der Empiriker, weiß nur das Was,nicht das Warum, der Philosoph, der Theoretiker, kennt auch das Warumund den Grund." Aristoteles, Metaphpsik, I, I, 15 (Schwegler II,

S. 2; III, S. 9); Probleme XIX, 5; Rhetorik II, 1; III, 10.

5. Vgl. Aristoteles, Rhetorik, I, 10, wo derselbe Gedanke fast wört-lich wiederholt ist.