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Aristoteles, Poetik.
Dies sind meiner Ansicht nach die Verschiedenheiten der Kunst-gattungen in betreff der Mittel ihrer nachahmenden Darstellung.
Zweites Kapitel.
1. Da nun aber alle Nachahmenden Handelnde nachahmen, somüssen diese letzteren notwendig entweder Gute oder Schlechte sein;— denn auf diese beiden Bestimmungen läuft ja doch in der Regeldas hinaus, was wir Charakter und Gesinnung nennen, weil Schlech-tigkeit und Tugend es sind, was ganz allgemein für alle Menschenden sittlichen Unterschied bildet? Das heißt: die nachgeahmten Han-delnden sind entweder bessere, als die Menschen unserer Zeit, oderschlechtere oder auch ebensolches wie uns das die Maler zeigen.
1. Aristoteles wendet sich von dein ersten Einteilungsgrunde zu dem
zweiten, der, wie wir uns ausdrückten, von dem Kunststile der Nach-ahmung entlehnt ist. Die hier angemerkten Kategorieen des sittlichguten, d.h. des edlen, und des sittlich schlechten, d.h. des gemeinenIndividuums, des vTivuSaw; und des PllüXo;, sind wesentlich antik-politischerArt. Der S7iou8«io; ist der positiv tüchtige Mensch, dessen Streben undZiel die Realisierung des wahrhaft Guten ist, er ist der Ka'non und dasMaß der Wahrheit dessen, was überall gut ist. Der P«üXo?, sein Gegen-teil, ist der sittlich Erbärmliche, Untüchtige, kläglich Elende, der Tauge-nichts. Biese, Philosophie des Aristoteles, II, 250; Bischer, Ästhetik, I,306. Wir wählen in unserer Übersetzung die einfachen Ausdrücke „gut"und „schlecht", da eine erschöpfende Wiedergabe jener griechischen Aus-drücke durch gleichbedeutende deutsche in ähnlicher Kürze nicht möglich ist.Bernays übersetzt auouSmo? durch „würdig", durch „niedrig".
St. Hilaire bemerkt richtig, daß Aristoteles hier bei der „Nachahmung"nur die Poesie, und zwar Epos und Drama, im Auge hat.
2 . „Ebensolche", d. h. wie die Menschen der gegenwärtigen Wirk-lichkeit des nachahmenden Künstlers. Wir sehen: Aristoteles gibt hierdie Unterschiede von idealer, karikierter und naturgetreuer Darstellung.