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Aristoteles, Poetik.
des Zerreißens und der Zerrissenheit, eine ekstatische Ver-zweiflung, ein aus allen Tiefen des Verstandes und desHerzens aufstöhnendes Mitleid mit der zusammenbrechendenalten Welt, eine im Schaudern schwelgende Furcht vor demEintritte einer neuen Zeit." Ist es doch gerade dies über-wiegende Hervorheben des jammervollen Menschenschicksalsgewesen, was Aristo'phanes und andere als ein Übermaßan der Dichtung des Euripides so bitter rügten, währendgerade die leidenschaftliche Bitterkeit dieser Rügen und An-griffe ein Beweis mehr ist für die hinreißende Wirkung,welche eben dieser Eigenschaft wegen Euripides' Tragödienauf das Publikum übten, eine Wirkung, die wir von Ari-stoteles mit klaren Worten bezeugt sehen.
Aber während Aristoteles durch seine Bemerkung denDichter der leidenvollen Leidenschaft gegen einen ungerechtenTadel in Schutz nahm, wenn er in einer ganz genau um-schriebenen Beziehung ihn mit dem Publikum seiner Zeitals den „tragischsten" (d. h. den leidenvollsten) gelten ließ,so war er doch himmelweit davon entfernt, in ihm, wieBernays meint, den tragischsten und kathartischstenDichter zugleich zu sehen, und ihn damit ohne weiteres hochüber So'phokles und Ä'schhlos als den vollendetsten Dichterder Tragödie zu proklamieren. Im Gegenteil! Aristotelessagt es mit den klarsten Worten, daß er „in allem andern"keineswegs ein richtiges Verfahren bewähre (-! -E sxx« ^ü Und welches muß nach Aristoteles das wesent-
lichste von diesem „allem andern" sein in der Ökonomieder Tragödie? Doch wohl dasjenige, wodurch die letztlichebefreiende und läuternde Wirkung auf den Zuschauer von der