Einleitung. Viertes Kapitel.
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auch die Erfahrung einen sehr bedeutungsvollen Beleg. Dennwo nur Euripide'ische Stücke bei den Festwettkämpfen ansden Bühnen zur Darstellung kommen, da erklärt das Publikumdieselben allemal — vorausgesetzt daß sie gut dargestellt werden,
— für die am meisten tragischen, und Euripides giltihm — trotz aller sonstigen vielfachen Mängel in dem innerenBaue seiner Tragödien — doch immer jedenfalls für dentragischsten Dichter." Schon dies „jedenfalls" (7-), welchesden Superlativ des Vorzugs auf eine einzige Eigenschaft,auf das spezifisch Tragische (rp«7lx<ür«r6; 7c) im Sinnedes Aristoteles, d. h. im Sinne des ergreifenden unglück-lichen Ausganges seiner Dichtungen beschränkt, hätte diejenigenstutzig machen sollen, welche, wie Voltaire und seine Nach-beter, diese Stelle so verstanden, als erkläre Aristoteles denEuripides schlechthin für den größten tragischen Dichter;
— ganz abgesehen davon, daß Aristoteles selbst hier garkein Urteil fällt, sondern nur das Urteil des Publikumsseiner Zeit anführt, welches aber auch nur in einem be-stimmten und beschränkten Punkte dem Euripides den Vor-rang einräumte.
Dies Urteil des Publikums, das Aristoteles mit dennötigen Modifikationen zu dem seinigen macht, müssen wirnoch heute richtig finden. Kein Dichter regt durch die Kon-flikte und Schicksale seiner Helden so im Innersten und miteiner so leidenschaftlichen Gewalt die Seele des Hörers undZuschauers auf wie Euripides, von dem Bernays mit Rechtsagt: „Man denke über ihn wie man wolle, sittlichen undkünstlerischen Frieden wird man in ihm selbst so wenigwie in seinen Tragödien finden können; vielmehr eine Wollust