Einleitung. Viertes Kapitel.
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Tragödie hervorgebracht wird, die Art und Weise der Kom-position der Handlung, die innere Notwendigkeit ihres Ver-laufs und die demselben Gesetze entsprechende Beschaffenheitund Haltung der Charaktere.
Denn das Tragische eines Dichters, das Tragische indem weiteren Umfange, in welchem es das kathartischeElement einschließt, besteht eben nach Aristoteles und nachder Natur der Sache selbst in zwei Dingen. Erstens inder Kraft, mit welcher der tragische Dichter die beiden großenHebel des Tragischen, Mitleid und Furcht, in Bewegung zusetzeu versteht; und zweitens in der erhebenden, befreiendenund versöhnenden Wirkung, die er gerade durch die Art undWeise, wie er jene Hebel in Bewegung setzt, durch die ganzeÖkonomie seiner Dichtung (man sieht, Aristoteles hat nichtumsonst von Euripides gesagt, daß er ^ cLin dem Zuschauer und Zuhörer hervorbringt.
Also: Aristoteles sagt nichts anderes von Euripides alsdies: Das Publikum hat das richtige getroffen, wenn es inbezug aus die spezifisch tragische Kraft, aus das Ergreifendeder leidenvollen Leidenschaft und ihres unglücklichen Aus-ganges den Euripides den „tragischsten der Dichter" nennt.Dagegen würde der große Denker von Stagi'ra den aller-stärksten Protest einlegen, wenn er vernehmen könnte, daßman ihn so verstanden habe, als sei nach seinem UrteilEuripides zugleich der „kathartischste", d. h. der am meistendie Seele des Hörers erhebende, sie von den Eindrücken desMitleids und der Furcht reinigende und befreiende Dichterdes hellenischen Altertums.