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Aristoteles, Poetik.
Viertes Kapitel.
Aristoteles unö Luriplöes?
(Poetik, Kap. XIII, § 6.)
Die bekannte Äußerung des Aristoteles über den vonseiner Zeit eben so leidenschaftlich bewunderten als ange-feindeten Dichter, welche unseren Romantikern so viele Notgemacht, ist nur dann richtig zu verstehen, wenn man sieim Zusammenhänge mit demjenigen Teile der AristotelischenUntersuchung über das Wesen des Tragischen betrachtet, inwelchem sie als beiläufige Bemerkung vorkommt.
Aristoteles hat es ausgesprochen, welche Art der Tra-gödie er nach dem Maßstabe der Kunst gemessen als dievollendetste (x»xxl--rist ansehe. Es ist dies, um es kurz zusagen, die Tragödie mit einfachem und zwar mit unglücklichemAusgange, die Tragödie, in welcher der Held, ein Menschwie wir, durch irgend einen bedeutenden Fehl aus Glück inUnglück gerät. Dies ist nach Aristoteles der richtige Aus-gang, die wahrhaft kunstgemäße Wandlung (ster-choXst) derTragödie. Nun fanden sich im Altertume Kunstrichter,welche dem Euri'pides gerade dies zum Vorwurfe machten,nämlich daß er seinen Tragödien fast durchweg eineu solchen„unglücklichen Ausgang" gebe. Gegen diesen Vorwnrf, aberauch nur gegen diesen, nimmt Aristoteles den Dichter inSchutz. „Jene Kunstrichter", sagt er, „begehen einen Fehler;denn Euripides ist hier gerade im Rechte. Dafür liefert
I. Vgl. Aristoteles und die Wirkung der Tragödie, S. 64 ff.