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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Aristoteles, Poetik.

in seiner Politik gegeben hat, vollkommen im klaren. DieMusik, richtig angewendet, bildet nach seiner Ansicht Geistund Herz der Jugend durch Gewöhnung an das Harmonische,Geordnete, Maßvolle, während sie den Leidenschaften desgerechteren Alters befreiende Erleichterung schafft von derÜbermacht des leidenschaftlichen Empfindens und so das ge-störte Gleichmaß der Seele wieder herstellt.

Dagegen über das Wie? der sittlichen Wirkung, welcheAristoteles die Kathar'sis der Pathe'mata von Mitleid undFurcht in der Tagödie nennt, fehlt uns nach der allgemeinenAllsicht die Erklärung, fehlt jedenfalls eine direkt ausge-sprochene Erklärung des Philosophen. Wir wissen nur soviel, daß diese Katharsis, diese Wirkung der Tragödie durchdie von ihr in Bewegung gesetzten Hebel des Mitleids undder Furcht eure sittliche, daß sie nicht, wie Platon behauptethatte, eine die Seele des Zuhörers verweichlichende, demorali-sierende, sondern eine kräftigende, erhebende sein soll; daßdie Empfindungeil des Mitleids und der Furcht, welche dertragische Dichter durch seine Dichtung im Zuschauer hervor-ruft oder, um ganz genau zu reden, die schmerzvollen Ein-drücke (Pathemata), welche die Zuschauer und Zuhörer oderauch selbst schon die Leser durch die Tragödie empfangen,schließlich durch die Dichtung selbst gereinigt und geläutertwerden und daß diese Reinigung zum Wesen der wahrenund echten Tragödie gehört, um deren Begriff es sich handelt.

Das Kapitel der Poetik, in welchem Aristoteles sich überdie Katharsis ausführlich ausgesprochen hat, fehlt uns undmit ihm, wie es scheint, der Schlüssel, welcher uns das