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Aristoteles, Poetik.
Dichtung Habe nur Gemütsergötzung, nicht geistige Bildungzum Zwecke". Strabon bestreitet dies zunächst durch dieAutorität der allgemeinen Ansicht seiner Nation. „ImGegenteil", sagt er, „nennen die Alten und alle Einsichtsvollen,welche gründlich über die Dichtkunst gesprochen haben, diePoesie eine Art Vorschule der Philosophie, die uns vomKnabenalter an in das Leben einsühre und uns unter Er-götzung Sitten, Gefühle und Handlungen lehre." Daherunterrichte man auch in den helle'nischen Städten die Jugendzunächst in der Dichtkunst, sicher nicht eurer bloßen Ergötzung,sondern der daraus hervorgehenden Bildung zur Weisheitund Einsicht wegen, „da ja" — fährt er fort — „selbst dieLehrer der Musik, welche die Jugend im Singen und in derInstrumentalmusik unterrichten, sich dasselbe Verdienst zu-sprechen, denn sie behaupten, Erzieher und Beredter der Sittenzu sein." Freilich sei es Übertreibung, wenn manche Leuteim Home'r alle Wissenschaft und Kunst enthalten glaubten,aber es sei eben Übertreibung eines an sich Richtigen.^
So finden wir also bei Strabon, der die AristotelischePhilosophie studiert hatte, den alten Streit über Wert undWürde der Poesie und ihrer Wirkung erneut, der zu Platonsund Aristoteles' Zeit die Geister so lebhaft beschäftigt hatte.Eratosthenes vertritt die Platonische Ansicht in ihrer ganzeneinseitigen Strenge. Strabon dagegen steht ganz auf Aristo-telischem Standpunkte. Ihm ist die Poesie „diejenigeKunst, welche das Leben durch Rede nachbildet". Dieskönne aber nur derjenige leisten, der das Leben in allen
l!>. Strabo, a. a. O., § 11.