Einleitung. Zweites Kapitel.
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bringungen bezeichnte. Die Griechen hatten ohnehin, wennsie die höchste aller Künste, die Poesie, als Mimesis, alsNachahmung, faßten, stets das lebendige Theater im Auge,durch welches ihnen, wie schon der Engländer Twinning°richtig bemerkt hat, dieser Begriff der Kunst als Nachahmungsinnlich vor Augen gestellt und vermittelt wurde. Wirmüssen uns also, wie in der Übersetzung geschehen, mit mehrerenAusdrücken und abwechselnden Umschreibungen, wie „nach-ahmend darstellen", „nachbilden", „bilden", „nachahmendschaffen" u. s. w. .zu helfen suchen.
Denn um es kurz zu sagen: die Thätigkeit des Künstlersist allerdings ein nachahmendes Bilden insofern, als sieüberall ein Objektives, sei es nun ein sinnliches oder geistiges,voraussetzt, dessen Bild sie Hervorbringen will. Bleiben wirzunächst bei der Poesie stehen, so sind es Menschen undmenschliche Empfindungen, welche dieses Objektive ausmachen.Aber auch die eigentlich bildenden Künste — Plastik undMalerei — haben es mit einem, sei es in der Natur oderin der Vorstellung Gegebenen, zu thun, wie die Musik esmit objektiven Empfindungen zu thun hat, denen sie sinn-lichen Ausdruck zu geben (d. h. antik gesprochen, die sie„nachzuahmen") strebt. Wir haben gesehen, durch welchenlogischen Irrtum Platon dahinkam, das so von dem Künstler,dem „Nachahmer" hervorgebrachte Bild als das
Bild des Bildes von einem Bilde anzusehen und das Werkdes Künstlers damit zugleich tief unter das reale Vor-bild, ja das Kunstwerk unter das Produkt des gemeinen
6. In Buhle's Übersetzung der Aristotelischen Poetik, S. 236 — 241.