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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Einleitung. Zweites Kapitel.

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philosophisch tiefer sei als die Geschichte, daß das echte Kunst-werk höher stehe als die Wirklichkeit, deren gereinigtes Bildes widerzuspiegeln bestimmt sei.

Wie vieles uns auch von den Aristote'lischen Schriftenüber Dichter und Dichtkunst verloren gegangen sein magund es ist mehr als wahrscheinlich, daß wir hier schwereVerluste zu beklagen haben, die Polemik gegen Platonsfeindselige Angriffe auf die Kunst und namentlich auf diePoesie, diese Polemik, welche uns alte Schriftsteller bezeugen,ist von dem großen Meister des Gedankens vollständig undmit einer persönlichen Mäßigung geführt worden, wie sienur bei dem volleil Bewußtsein sieghafter Überlegenheit undbei der Charaktergröße des Mannes möglich war, in welchemein Alexander noch auf dem schwindelnden Gipfel seinesRuhmes seinen Lehrer und Bildner bewundernd verehrte. Indieser ganzen Polemik ist sogar Platons Name nie genannt,sie ist durchaus in reiner Sachlichkeit gehalten, so sehr auchdie paradoxe Überschwenglichkeit in Platons Angriffen gegenPoesie und Kunst den Unwillen und Spott herausforderte.Wir werden übrigens in den folgenden Kapiteln dieser Ein-leitung sehen, daß der Kamps dieser beiden so entgegengesetztenAnschauungsweisen, der Kampf der peripate'tischen Ästhetikgegen die Platonische Ansicht über Kunst und Poesie, Jahr-hunderte hindurch bis in die spätesten römischen Zeitenfortgedauert hat.

Schon aus dem bisher Gesagten dürfte klar gewordensein, in welchem Sinne von Aristoteles das Prinzip derMime'sis, im Gegensätze zu Platon, als Prinzip der Kunstgefaßt worden ist.