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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Einleitung. Zweites Kapitel.

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seiner ganzen Zeit und seines Volkes gegen den moralischenRigorismus einer Anschauungsweise, durch welche nicht nurüber eine ganze Welt unbefangener und harmloser Kunst-gestaltung des Bildners und Malers, sondern auch über einenPhi'dias und Home'r, über einen Ä'schylos und So'phoklesder Stab gebrochen wurdet Aber niemals ist auch derabstrakte Idealismus in seiner um die Wirklichkeit des Lebensunbekümmerten Naivität je wieder so unsterblicher Lächerlich-keit überwiesen worden, als der große hellenische Philosophund sein radikaler Idealismus von der lebendigen Wirklich-keit und von der Kunstgeschichte seines Volkes. Es ist einwunderbares Verhältnis, in welchem hier Theorie und Praxisder Ästhetik geschichtlich vor uns auftreten. Während Phidiasund Polykle't so eben erst ihrem Volke die unerreichten Idealeder plastischen Erhabenheit in ihren Götterbildern gegeben,Sko'pas und Praxi'teles ihnen das Urbild der Schönheitin der schaumgeborenen Göttin der Liebe und die höchsteTra'gik des Menschenschicksals in der Gruppe der Ni'obe undihrer Kinder vor die staunenden Augen gestellt, Äschylosund Sophokles den Hellemen die Musterbilder tragischer Kunstgeschaffen hatten sehen wir die Theorie bei Platon inden Kinderschuhen einer Ästhetik einhergehen, die von demwahren Verständnisse und der richtigen Würdigung dieserSchöpfungen, um welche alle späteren Jahrhunderte dasHellenenvolk beneidet haben, fast noch weiter entfernt warals wir von der Erreichung derselben entfernt sind!

Gegen die Platonische Knnstanschauug, welche, über diegesamte Kunst seines Volkes das Verdammungsurteil aus-

4. Vergl. Ad. Stahr, Torso, T. I, S. 416 ff.