Druckschrift 
3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

Aristoteles, Poetik.

les vom Tode übereilt, und seinen Schülern, von denenTheophra'st seine Bibliothek und seinen litterarischen Nach-laß erbte, blieb die Pflicht, diesen Nachlaß der Welt zu-gänglich zu machen. Wann und in welcher Weise dies ge-schehen, ist uns natürlich unbekannt. Daß aber die Aristo-telischen Schriften in ihrer jetzigen Gestalt zahlreiche unver-kennbare Spuren ihres Ursprungs aus Vorlesungen undHeften" im modernen Sinne an sich tragen, wird keinKundiger in Abrede stellen."

Hiernächst ergeben sich zur Erklärung des gegenwärtigenZustandes unserer Aristotelischen Poetik zwei Möglichkeiten.

Entweder nämlich befand sich dasjenige, was Aristote-les selbst davon niedergeschrieben hatte, unter den Schriften,die aus Theophrasts Besitz unherausgegeben durch Erbschaftnach dem kleinasiatischen Ske'psis an Ne'leus und dessen Fa-milie gerieten und die erst spät zur Zeit Su'lla's durchApe'llikon in jenem von Strabo und anderen Alten beschrie-benen traurige Zustande ans Licht gezogen wurden. Indiesem Falle würde sich der defekte Zustand unseres jetzigenTextes von selbst erklären. Oder aber: unsere jetzige Poe-tik ist nichts mehr und nichts weniger als ein nach Aristo-telischen Vorträgen von einem Zuhörer des Philosophenausgezeichnetes Heft, dessen Verfasser sich das Interessierendeausführlicher, anderes kürzer anmerkte, manches wegließ,hier und da auch ein paar eigene Bemerkungen an denRand schrieb und überhaupt dem Vorträge nach subjektiverNeigung und Belieben folgte. An eine Veröffentlichung

15. Vcrgl. Lristotsliu a.a. O. und Höllische Jahrbücher 1839, S. 1672.