Einleitung. Erstes Kapitel.
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mehr der Chicane ausgesetzt als alles, was diese enthalten.Besonders getraue ich mir von der Tragödie, als überdie uns die Zeit so ziemlich alles daraus gönnenwollen, unwidersprechlich zu beweisen, daß sie sich von derRichtschnur des Aristoteles keinen Schritt entfernen kann,ohne sich ebenso weit von ihrer Vollkommenheit zu entfernen."
Lessing hat diese seine „eigenen Gedanken" über diejetzige Beschaffenheit des rätselhaften kleinen Werks für sichbehalten. Denn der Plan, mit dem er laut seiner Äuße-rung in einem Brief an Mendelssohn damals ernstlichumging, einen eigenen ausführlichen Kommentar zu derAristotelischen Poetik zu schreiben^, ging, wie so manchesandere, das sich an Lessings damalige dramaturgische THL-tigkeit knüpfte, mit dem Scheitern der Hamburger Theater-unternehmuug zu Grunde. Nur soviel läßt sich jedoch ausden oben angeführten Worten des großen Mannes entneh-men, daß es seiner Meinung nach mit dieser AristotelischenSchrift eine ganz eigene Bewandtnis habe, daß sie fernerzwar lückenhaft und unvollständig, aber in demjenigen, wasdie Theorie der Tragödie betreffe, im wesentlichen vollstän-dig sei. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Lessing (1768)in seiner Ansicht über die Poetik mit der VermutungGottfried Hermanns (1802) zusammentraf, der dieseSchrift in ihrer jetzigen Gestalt für einen unausgeführ-ten Entwurf hielt und den Text demgemäß einer sehrenergischen und gewaltsamen Behandlung unterwarf?
8. Werke (herausgegeben von Karl Lachmann) XII, S. 222.
9. Auch J.A. Hartung: „Lehren der Alten über die Dichtkunst" rc.(Hamburg und Gotha, 1845), hält die Poetik in ihrer jetzigen Ge-