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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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Gegenstand seines Denkens, so daß Denken und Gedachtes eins unddasselbe sind. Denn das Denken ist eS, was die Fähigkeit zum Er-greifen des Gedachten, d. h. der reinen Substanz hat. In dem Habendes Gedachten, Jntelligibeln aber liegt seine Aktualität. So bestehtalso mehr als in jener Fähigkeit, in diesem letzteren, dem Haben, dasgöttliche Wesen, welches wir dem Denken beilegen, und die Betrach-tung ist das Angenehmste und Beste. Ist nun die Gottheit immer soglücklich wie wir je und je, so ist das ein bewundernswürdiges Sein;ist sie aber glücklich in noch höherem Grad, als wir jemals, so ist eSnoch bewundernswürdiger. Sie ist es aber in der That. Und Lebenmuß ihr zukommen: denn die Aktualität des Denkens ist Leben unddas Denken ist reine Aktualität, so ist die reine Aktualität des Den-kens Leben und zwar das beste, ewige. Somit sagen wir: die Gott-heit ist ein ewiges lebendes Wesen, und zwar das beste, so daß Lebenund Fortdauer ununterbrochen und ewig der Gottheit zukommt. Denndarin liegt das Wesen der Gottheit. Unrichtig ist die Annahme derPythagoreer ') und des Speusippus, das Schönste und Beste sei nichtim Anfang, im Princip, denn auch die Principien der Pflanzen undThierc, wenn sie gleich Ursachen seien, haben das Schöne und Voll-kommene nicht in sich, vielmehr liege diese? in dem aus ihnen Hervor-gehenden. Vielmehr ist ja der Samen aus anderem früherem Voll-kommenen, und das Erste ist nicht der Samen, sondern eben das Voll-kommene; z. B. man kann sagen, früher, als der Samen, sei einMensch, nicht der aus dem Samen gewordene, sondern ein anderer,von welchem der Samen ist.

Aus dem Gesagten nun ergibt sich, daß eS eine ewige, unbe-grenzte, von dem Sinnlichen abgesonderte Substanz gibt. Es ist aberauch gezeigt worden?), daß diese Substanz keine Größe haben kann,daß sie vielmehr untheilbar und unzertrennlich ist; denn sie bewegtdurch die unbegrenzte Zeit hindurch, was aber eine unbegrenzte Krafthat, ist nicht begrenzt. Jede Größe ist ferner entweder begrenzt oder

') S. Zeller, griech. Phil. I. 883. Bon einer näheren Begründung derGedankens, daß die Dinge eine Siusenreihe von zunehmender Vollkommenheit dar-üellen, ist übrigens nichts bekannt,g) S. vivo. VIII. IO. 2S7b.