Zweites Kapitel.
Fortsetzung.
Ferner ist die Frage: muß man noch etwas annehmen außerden Einzclndingen oder nicht, sind es vielmehr die Einzelndinge, wo-mit sich unsere Wissenschast zu beschäftigen hat? Allein diese wärenunendlich viele. Was dagegen neben den Einzclndingen existirt, sindGattungen oder Arten: aber weder mit dem einen noch mit dem an-dern hat sich unsere Wissenschaft zu beschäftigen. Weßhalb dich nichtmöglich ist, ist eben gesagt worden. Es ist dabei überhaupt die Frageauszuwerfen, ob man anznnehmen hat, daß eine getrennte Substanzexistirt neben den sinnlichen und diesseitigen Substanzen, oder nicht,daß also vielmehr die letzteren das Seiende seien und daß mit diesensich unsere Wissenschaft zu beschäftigen habe. Denn wir suchen dochwohl eine andere Wissenschast, und dieses Suchen ist der Zweck, denwir hier verfolgen; ich meine die Frage, ob etwas getrennt an undsür sich existire, was kein Sinnliches zum Substrat hätte. — Fernerwenn es neben den sinnlichen Substanzen noch eine andere Substanzgibt, welches sind diese sinnlichen Substanzen, neben welchen man dieseweitere Substanz anzunehmen hat? Warum sollte man sic mehr an-nehmen neben den Menschen oder den Pserden, als neben der Substanzder übrigen Thierc oder überhaupt auch der unbelebten Wesen? DieAnnahme ferner, es existiren ebenso viele ewige Substanzen neben densinnlichen und vergänglichen Substanzen, möchte doch wohl über denKreis des Wahrscheinlichen hinaus fallen. Ist aber das Princip, wel-ches wir jetzt suchen, nicht getrennt von den Körpern, worin möchtemau dann lieber das Princip suchen, als in der Materie? Diesejedoch existirt zwar wohl der Potenz nach, aber nicht der Aktualitätnach. Vielmehr möchte man ein Princip im eigentlichen Sinn findenin der Form und Gestalt, allein dich ist etwas Vergängliches, so daßcs überhaupt keine eigene Substanz gäbe, die getrennt und sür sichexistirt. Dich aber wäre widersinnig; denn ein solches Princip undeine solche Substanz wird doch angenommen und wird auch fast allge-mein von den feinsten Forschern gesucht, denn wie sollte es noch eineOrdnung geben, wenn es nicht etwas Ewiges, für sich Bestehendes,