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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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wenn man sagt, nichts sei wahr; (denn, meinen sie, es stehe nichtsim Weg, daß es sich mit allem so verhalte, wie mit der Behauptung,die Diagonale sei commensurabel) '), oder wiederum: alles sei wahr.Diese Sätze stimmen so ziemlich mit der Lehre Heraklits überein: dennwenn mau sagt, alles sei wahr und alles sei falsch, so behauptet maudieß auch von jedem dieser Sätze für sich besonders; wenn also daserste unmöglich ist, so ist auch das letztere unmöglich. Ferner gibt esoffenbar widersprechende Behauptungen, die unmöglich zu gleicher Zeitwahr sein können; aber auch nicht allesammt falsch; wiewohl man dießnach dem Gesagten noch eher zugeben könnte. Gegenüber von allenderartigen Behauptungen muß man, wie oben^) gesagt, fordern,nicht daß das Sein oder Nichtsein von etwas behauptet, sondern daßetwas bezeichnet werde, man muß sich den Begriffwahr" oderfalsch" klar machen und von dieser Begriffsbestimmung aus weitergehen. Ist das Wahre nichts anderes als Behauptung des Seienden,Verneinung des Nichtseienden, während das Falsche das Gegentheildavon ist3), so kann unmöglich alles falsch sein; denn das eineGlied des Gegensatzes muß doch nothwendig wahr sein. Ferner:wenn man nothwendig entweder bejahen oder verneinen muß, so istes unmöglich, daß beides falsch sei, denn nur das eine Glied des Ge-gensatzes ist falsch.

Indessen bei allen solchen Behauptungen ist das Resultat, wasman immer wieder sagen muß: sie heben sich selbst auf. Wer nem-lich sagt, alles sei wahr, macht damit auch die Behauptung seinesGegners zur wahren Behauptung, wovon dann wieder die Folge ist,daß seine eigene nicht wahr ist, denn das leugnet ja der Gegner wer aber alles falsch macht, macht auch seine eigene Behauptungfalsch. Wenn sie aber dabei die Ausnahme machen wollen, daß alleindie Behauptung des Gegners nicht wahr, resp. allein die eigene Be-hauptung nicht falsch sei, so ist damit nichts geholfen: damit bekommensie eine unendliche Zahl von wahren und falschen Behauptungen.

>) Das bekannte Beispiel des Aristoteles siir etwas nothwendig und aner-kannt Falsches.

2) E. 4, 100 t>. a.

Dieß muß der Sinn der korrupten Stelle sein, welche offenbar aus dieBestimmung im Ansang von Eap. 7 zurltckweist.