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Wenn aber alle zugleich die Wahrheit und Unwahrheit sagen, so dürsteman nicht mehr den Mund zu einer Rede aufthun; man würde jaetwas sagen und zugleich nicht-sagen. Hat einer aber gar keine irgend-wie bestimmte Ansicht, ist ihm vielmehr glauben und nicht-glaubenganz einerlei, so steht er offenbar aus Einer Stufe mit den Pflanzen >).
Es ist aber auch ganz klar, daß es keinem Menschen einsällt,das zu glauben, und selbst den Anhängern solcher Behauptungen nicht,abgesehen von den andern Menschen. Denn wenn einer es glaubt,warum geht er denn z. B. nach Megara, anstatt ruhig zu Hause zubleiben und bloß zu meinen, er gehe? oder warum springt er nichtgleich morgens in aller Frühe in einen Brunnen oder in eine Schlucht,— was gerade in der Nähe ist —, sondern nimmt sich offenbar da-vor in acht, womit er zu verstehen gibt, daß er das Hineinfallen nichtganz ohne Unterschied für gut und nicht-gut hält? Unleugbar hält erdas eine für besser als das andere. Thut er aber dieß, so muß ernothwendig auch glauben, daß Mensch etwas anderes ist als Nicht-Mensch, süß etwas anderes als nicht-süß. Denn wenn er in der Mei-nung, es sei besser, Wasser zu trinken und einen Menschen zu sehen,Wasser und Menschen aussucht, so beweist er damit, daß er nicht allesohne Unterschied aufsucht und annimmt, er müßte dieß aber thun,wenn er in seiner Behauptung, daß Mensch und Nicht-Mensch dasselbeseien, consequent sein wollte. Indessen, wie gesagt, die Erfahtüngzeigt, daß jedermann vor dem einen sich in Acht nimmt, vor dem an-dern nicht. Also, wie es scheint, urtheilt jedermann thatsächlich unbe-fangen, wenn nicht in allem, so doch in Betreff des besseren undschlechteren. Thun sie dieß aber nicht auf Grund wirklichen Wissens,sondern aus Grund bloßer Meinung, so sollten sie viel mehr auf dieWahrheit bedacht sein, wie ein Kranker mehr als ein Gesunder aufGesundheit bedacht sein muß; deun verglichen mit dem Wissenden istder Meinende krank, wenn es sich um die Stellung zur Wahrheithandelt. — Endlich, wollte man auch bereitwillig zugeben, daß alleszugleich so und nicht-so sich verhalte, so ist doch jedenfalls das Mehr
*) So nach der Lesart <pnrw>. Liest man TikPnxo'rmr-, so würde dasheißen: es wäre überhaupt kein Unterschied mehr zwischen dem Eristirenden, eswäre eben wieder alles eins.
Aristoteles' Metaphysik.
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