Druckschrift 
6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
88
Einzelbild herunterladen
 

88

cipien des Seienden überhaupt. Dieß ist aber der Philosoph. Dassicherste Princip ist aber dasjenige, bei welchem unmöglich eine Täu-schung stattfinden kann; ein solches Princip muß nothwendig am er-kennbarsten sein (denn Täuschung beruht immer auf dem Mangel anErkenntniß), und es muß frei von bloßen Voraussetzungen ') sein.Bloße Voraussetzung ist nun das nicht, was man inne haben muß,um überhaupt etwas Seiendes zu begreifen, und was man kennenmuß, um überhaupt etwas erkennen zu können, das muß man noth-wendig schon mitbringen. Daß nun das Princip, bei welchem diesesbeides zutrifft, das sicherste von allen ist, ist klar; nun wollen wirauch dieses Princip nennen: daß ebendasselbe ebendemselben und inebenderselben Beziehung zugleich zukomme und nicht zukomme, ist un-möglich (was wir sonst etwa noch in die Bestimmung ausnehmen, dasmag gerichtet sein gegen Schwierigkeiten, die man eben aus Grund desWortlauts unserer Bestimmung erheben könnte), dieß also ist dasallersicherste Princip: denn es entspricht den eben aufgestellten Forde-rungen. Es ist nemlich unmöglich, daß irgend jemand annehme, einsund dasselbe sei und sei nicht, eine Annahme, die man bisweilen demHerallit zuschreibt 2), man muß ja aber nicht immer glauben, waseiner sagt ^). Ist es aber nicht möglich, daß demselben Entgegenge-setztes zugleich zukäme (es mögen auch noch zu diesem Vordersatz dieüblichen Bestimmungen hinzugefügt werden), und hat eine Meinungihren Gegensatz an der widersprechenden Meinung, so ist klar, daß un-möglich Einer und derselbe zugleich annehmen kann, eins und dasselbesei und sei nicht; denn man hätte ja die entgegengesetzten Meinungen,wenn man solchem Jrrthum sich hingäbe. Dieß ist der Grund,warum man beim Beweisverfahren immer auf diesen Satz als dieletzte Annahme zurückgeht; er ist von Natur das Princip für sämmt-liche übrige Axiome.

1) Von Hypothesen, d. h. von solchen Sätzen, welche lediglich obwohlbeweisbar vorausgesetzt werden und welche nicht absolut nothwendig sind.

2) Wegen seiner Lehre von dem steten Fluß aller Dinge s. Zeller, gr. Phil.I. SSO ss.

6) Könnte auch heißen: es muß einer nicht immer das, was er sagt, wört-lich so glauben, wie er es sagt.