85
inungen, welche den Zahlen theils an und für sich, theils in ihremgegenseitigen Verhältnis; zu einander zukommen, und wie in ähnlicherWeise ein Körper, mag er bewegt oder unbewegt, leicht oder schwersein, seine eigenthümlichen Bestimmungen hat, so kommen auch demSeienden als solchem specifische Bestimmungen zu und diese sind es,in Betreff deren der Philosoph die Wahrheit zu erforschen hat. Ein Be-weis hiefür liegt in der Thatsache, das; die Dialektiker und die Sophi-sten über diese Frage sich verbreiten, offenbar deßhalb, weil dieselbevon der Philosophie nicht getrennt werden kann. Wenn sie freilichdabei in das Gewand des Philosophen sich kleiden, so haben sie dazueigentlich kein Recht; denn die Sophistik ist bloß eine Scheiuweisheitund die Dialektiker sprechen eben über alles, bei allem aber ist gemein-sam das Seiende >). Die Sophisten und Dialektiker bewegen sich uem-lich auf demselben Gebiet, wie die Philosophen, allein von der Dia-lektik unterscheidet sich die Philosophie durch die Qualität ihrer Lei-stungsfähigkeit, von der Sophistik durch ihren sittlichen Grundcharakter.Wo nemlich die Philosophie erkennt, da tappt die Dialektik bloßherum, die Sophistik aber ist bloße Schein-Weisheit, keine wirkliche.
Ferner: die Gegensätze, von welchen die eine Begriffs-Reihe dieBegriffe der Beraubung enthält, werden insgesammt zurückgeführt aufdas Seiende und Nichtseieude, das Eins und das Viele, z. B. Still-stand gehört zum Eins, Bewegung zum Vielen. Daß aber dasSeiende und das Wesen, die Substanz aus Gegensätzen besteht, darinsind so ziemlich alle Philosophen einig; wenigstens fassen alle diePrincipien als einen Gegensatz enthaltend, wenn sie Gerad und Un-gerad, Warm und Kalt, Grenze und Unbegrenztes, Freundschaft undStreit als Principien aufstellen. So wird denn auch alles andereoffenbar zurückgeführt auf das Eins und das Viele; diese Zurückfüh-rung mag hier vorausgesetzt sein. Unter diese Gattungsbegriffe fallenalso die Principien und vollends die der älteren Philosophen. Sogeht also auch hieraus deutlich hervor, daß es Einer Wissenschaft zu-kommt, das Seiende als Seiendes zu betrachten. Denn alles ist ent-
>) Also sprechen sie auch über diesen philosophischen Grundbegriff, aber nichtaus rein philosophischem Interesse.
2) Die Ppthagoreer — Parmenides, — Platoniker — EmpedokleZ,