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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
76
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Während daher nach der gewöhnlichen Meinung, welche auchvon den älteren Philosophen gethcilt wird, der Körper das Seiendeund die Substanz ist, wobei alles Andere für eine wechselnde Erschei-nungsform des Körpers erklärt wird, mit der weiteren Folge, daß diePrincipien der Körper die Principieu des Seienden selbst sind, habendie späteren Philosophen mehr Nrtheil bewiesen, indem sie das Prin-cip in der Zahl') suchten. Nun, wie gesagt, wenn die genanntenDinge keine Substanzen sind, so gibt es überhaupt keine Substanz undkein Seiendes; denn die wechselnden Bestimmungen der Dinge kannman doch nicht füglich als Substanz bezeichnen. Allein wenn dieseszugegeben wird, daß die Linien nnd Punkte mehr Substanz sind alsdie Körper und man doch keinen Körper sich denken kann, zu welchemsie gehören, denn in den sinnlichen Körpern können sie unmöglichsein so gibt es am Ende gar keine Substanz ^). Ferner mußman annehmen, daß alle diese Bestimmungen nur Dimensionen desKörpers bezeichnen, in die Breite, Tiefe und Länge Ueberdießist jede beliebige Figur im Körper in gleicher Weise enthalten, odergar keine; wenn also z. B. im Marmor Hermes nicht ist, so ist auchnicht die Hälfte des Würfels im Würfel als ein für sich Seiendes ;dann aber natürlich auch nicht die Oberfläche; denn wenn jede belie-bige drin wäre, so müßte auch diejenige drin sein, welche die Hälfteabgrenzt. Ebenso verhält es sich mit Linie, Punkt und Einheit. Dar-aus folgt: wenn der Körper sich besonders qnalifizirt zur Substanz,noch mehr aber jene Bestimmungen, diese aber kein Seiendes und nichtSubstanz sind, so weiß man überhaupt nicht mehr, was das Seiendeund was die Substanz des Seienden ist. Dazu kommen noch wei-

l) D. h. in der wesentlichen Form der Dinge.

") Die Behauptung, daß Linie» u.s.w. Substanzen seien, ist gegründet aus denSchluß, wornach sie mehr Substanz sind, als die Körper, in welchen sie sind.Wenn nun aber keine solchen Körper denkbar sind, so fällt auch jener Schluß unddie darauf gegründete Behauptung.

") Woraus folgt, daß sie nichts Substanzielles sind.

b D. h. die Figur des Hermes ist im unbearbeiteten Marmor nur poten-ziell, nicht aktuell; da »UN jede Figur in gleicher Weise drin ist, so kan» auch dieHälste nur potentiell drin sein, nicht aktuell, nicht als Substanz. Yb derSchluß richtig ist, soll hier nicht entschieden werden.