denselben Gründen; denn wenn ') sinnliche Dinge und Sinneswahr-nehmungen in der Mitte liegen sollen, so muß es nothwendig auchThiere geben zwischen den Thieren — an sich und den vergänglichensinnlichen Thieren. Man müßte auch fragen: aus was für Dinge denndiese Wissenschaft sich beziehe, die wir aussuchen müssen? Wenn nem-lich die Geometrie und die Geodäsie sich nur dadurch unterscheidensollen, daß die letztere es mit dem sinnlich Wahrnehmbaren zu thunhat, die Geometrie 2) aber mit dem nicht sinnlich Wahrnehmbaren, soist die nothwendige Folge, daß es auch neben der Heilkunde noch eineWissenschaft geben muß, welche in der Mitte steht zwischen der Heil-kunde — an sich und der uns durch Wahrnehmung bekannten Heil-kunde, und so wäre es auch bei den andern Wissenschaften. Wie sollnun aber dieß möglich sein? Es müßte dann ja auch eine dritte Reihevon gesunden Dingen geben neben den sinnlich wahrnehmbaren undden gesunden — an sich. Es ist aber auch das nicht einmal richtig,daß die Geodäsie es nur mit sinnlichen und vergänglichen Größen zuthun habe; sonst würde sie ja auch vergänglich sein. — Allein anderer-seits sind es doch auch nicht sinnlich wahrnehmbare Größen, noch ist esdieser sinnlich wahrnehmbare Himmel, was den Gegenstand der Astro-nomie bildet. Denn so wenig die sinnlich wahrnehmbaren Linien sosind, wie sie der Geometer versteht, — es entspricht nichts Geradesund nichts Rundes genau den Forderungen des Geometers, sofern derKreis die gerade Linie nicht blos an Einem Punkt berührt, vielmehrhat Protagoras recht in seiner Widerlegung der Geometer — sowenig also dieß, so wenig sind die Bewegungen und Windungen desHimmels genau so wie die Astronomie es darstellt, und so sind auchdie Figuren keineswegs wesensgleich mit den Gestirnen. Nun stellenaber einige die Behauptung auf, es existiren zwar diese sogenanntenMitteldinge zwischen den Ideen und dem Sinnlichen, jedoch nicht ge-trennt von dem Sinnlichen, sondern in diesem. Es wäre nun zu weit-
Sinnliches und sinnliche Wahrnehmung gehören nothwendig zur Optik undHarmonik, also bekäme man sinnliche Mitteldinge, ein Widerspruch.
2) Sofern sie eine mathematische Wissenschaft ist.
) Bgl. Zeller griech. Phil. I. 89S fs. ES hängt dieß mit der ganzenTheorie des Prot, zusammen, nach welcher es keine objektive Wahrheit gibt, son-dern nur subjektiven Schein der Wahrheit,