MIN, aus einem Knaben werde ein Mann, so verstehen wir darunterdas Werden des Gewordenen aus dem Werdenden, des Vollendetenaus dem sich Vollendenden; denn immer ist, wie in der Mitte zwischendem Sein und dem Nichtsein das Werden, so zwischen dem Seiendenund dem Nichtseienden das Werdende. Der Lernende ist ein werden-der Gelehrter und dich versteht man, wenn man sagt, daß aus demLernenden ein Gelehrter werde. — Was aber die andere Art desWerdens betrifft, wenn z. B. aus der Luft Wasser wird, so geschiehtdieß so, daß das eine vergeht. So erklärt es sich, daß bei der erstenArt keine rückläufige Bewegung stattfindet, daß also nicht ein Knabewird aus einem Mann; denn hier wird das Werdende nicht aus demWerden, sondern nach dem Werden"), In dieser Weise wird auchder Tag aus der Morgendämmerung, nemlich nach dieser; aber ebendeßwegen auch nicht umgekehrt die Morgendämmerung aus dem Tag.— Dagegen bei der zweiten Art ist eine rückläufige Bewegung mög-lich. Ins unendliche aber kann man weder im einen noch im andernFall gehen. Im ersten nicht: denn das in der Mitte liegende mußdoch nothwendig ein Ziel haben; im zweiten nicht: denn es findet jaeine rückläufige Bewegung von einem zum andern statt, sofern dasVergehen des einen immer das Werden des andern ist. — Zugleich istes aber auch unmöglich, daß das erste, als ein ewiges, vergehe; dennda das Werden nach oben nicht ein unendliches ist, so wäre nothwen-dig dasjenige erste nicht ewig, aus welchem, durch Vergehen desselben,etwas wird. — Ferner ist das Warum Zweck und Ziel, und zwarso, daß es nicht um eines andern willen ist, sondern das andere umseinetwillen; also wenn das letzte von dieser Art ist, so ist cs keineunendliche Reihe, gibt es aber nichts von solcher Art, so gibt es auchkein Warum. Setzt man aber die unendliche Reihe, so hebt man, ohnesich darüber klar zu sein, das Wesen des Guten auf. Und dochwird es niemanden einsallen, etwas zu thun, ohne daß er an ein Endezu gelangen gedenkt. Es wäre auch gar kein Verstand in einem solchenThun: denn der Verständige thut immer, was er thut, für ein
>> D. h. hier ist eine bestimmte Succession, ein festes Nacheinander, welchemdie rückläufige Bewegung widerspräche.
2) D. h. eben des Warum.