81
Warum; dieses nemlich ist das Ende; denn das Ziel ist das Ende. —Ferner auch hinsichtlich des Begriffs ist es nicht möglich, aus eine an-dere Begriffsbestimmung zurllckzugehen, indem man den Begriff immererweitert; denn immer ist die frühere Begriffsbestimmung zutreffenderals die spätere; wo aber das erste nicht zutrifft, da trifft auch das spä-tere, darauf folgende nicht zu. Das Wissen überhaupt wird durchsolche Sätze aufgehoben; es ist ja doch nicht möglich zu wissen, bisman auf dasjenige kommt, was keine Theilung mehr zulüßt. Auchkein Erkennen wäre mehr möglich; denn was auf die genannte Weiseunendlich wäre, wie sollte man das erkennen? Es ist ja dabei nichtwie bei der Linie: diese kann man zwar ins unendliche zertheilen, abererkennen kann man sie doch nur, wenn man mit der Theilung innehält; daher man, um die unendliche Linie zu erkennen, nicht die un-endlich vielen Abschnitte zählen wird. Ja selbst die Materie kannman nur in einem Bewegten erkennen und der Begriff des unendlichentrifft überhaupt nirgends zu; oder wenn doch, so ist wenigstens dieserBegriff selbst nicht unendlich. — Ferner wenn die Arten der Ursachender Zahl nach unendlich wären, so wäre auch in diesem Fall kein Er-kennen möglich; denn wir glauben dann etwas zu wissen, wenn wirdie Ursachen erkannt haben; was aber ir> vonorsbo unendlich wäre,das könnte man nicht in einer endlichen Zeit sich zur Erkenntnißbringen.
Drittes Kapitel.
Die Methode des philosophischen Vortrags.
Die Art des Vortrags muß sich anschließen an die Gewohnheitender Zuhörer; denn wir verlangen immer einen Vortrag, welcher un-fern Gewohnheiten entspricht, und was diesen zuwiderläuft, das scheintuns nicht vertraut, sondern, weil wirs nicht gewöhnt sind, unbekanntund fremdartig; das Gewohnte ist eben das bekanntere. Die Machtder Gewohnheit können wir wahrnehmen an den Gesetzen, bei welchendas Mythische, Kindische mehr Wirkung thut als die vernünftige Er-kenntnis; ; daran ist eben die Gewohnheit schuld. Das Publikum istin diesem Punkt sehr verschieden: die einen können sich nur mit einemmathematischen Vortrag befreunden, andere wollen nur recht viele
4 *