Zweizahl zutrifft. Allein ich meine, der Begriff des Doppelten undder Begriff der Zweizahl sind keineswegs identisch; sonst muß daSEins — Vieles sein ^), eine Behauptung, die wir dann sreilich auchbei den Pythagoreern finden.
Dieß sind die Resultate der älteren Philosophen.
Sechstes Kapitel.
Die platonische Philosophie.
Aus die bisher genannten philosophischen Systeme solgte dasSystem Platos, welches zwar in manchen Punkten an die früherensich anschloß, aber auch manches Eigenthümliche hatte, was sich beiden italischen Philosophen noch nicht findet. Plato hatte sich von Ju-gend aus genau bekannt gemacht zunächst mit Kratylus^) und denAnsichten Heraklits, nach welchen alles Sinnliche in stetem Fluß sichbefindet und daher eine Wissenschaft desselben gar nicht möglich ist;diese Sätze hat Plato auch später noch in dieser Weise festgehalten;als er nun aber mit Sokrates bekannt wurde, welcher das Sittlichezum Mittelpunkt seiner Untersuchungen machte und mit Beiseitelaffungder gesammten Natur im Sittlichen das Allgemeine suchte und zuerstauf die Begriffsbestimmungen sein Nachdenken richtete, so schloß er sichan diesen an und gelangte so zu der Annahme, die Begriffsbestim-mung habe nicht das Sinnliche zum Gegenstand, sondern etwas An-deres : denn eine allgemeine Begriffsbestimmung von etwas Sinnlichemsei nicht denkbar, da ja das Sinnliche in stetem Wechsel begriffen sei.So gab er nun dem wirklich Seienden den Namen Ideen, die sinn-
ig etwas Doppeltes, lasse sich ohne weiteres convertiren in den Satz: das Dop-pelte ist die Zweizahl.
D. h. wen» man Subjcct und PrLdicat immer vertauschen könnte, sowürde derselbe Subjectsbegrifs aus die vielsachstc Weise auSgedriickt werden können;den» Ei» Subject hat viele Priidicate, könnte man also das Prädicat ohne wei-teres an die Stelle des Subjekts setzen, so würde man vielerlei Subjectc bekom-men, das Eine Snbject würbe zu einer Vielheit von Snbjccten.
-) lieber diesen späteren Anhänger Heraklits, s. Zeller l, üül,