Druckschrift 
6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

30

nicht blos Ordnung und Schönheit, sondern auch Unordnung undHäßlichkeit, und zwar Böses mehr als Gutes, Häßliches mehr als Schö-nes, so stellte ein Andrer >) den Satz aus von der Freundschaft und demStreit, auf welche er jene Gegensätze als aus ihre Ursachen zurücksührte.Geht man nemlich der Lehre des Empedokles nach und faßt man sienicht nach der halbkindischen Ausdrucksweise, sondern nach ihremeigentlichen Sinn, so wird man finden, daß bei ihin die Freundschaftdie Ursache des Guten, der Streit die Ursache des Bösen ist; daherman denn in gewissem Sinn nicht so unrecht hat, wen» man sagt,Empedokles sei der erste, der das Gute und das Böse als Principienausstelle, wenn ja doch das Gute immer seine Ursache hat im Gutenund das Böse im Bösen?). Diese Philosophen haben also, wie ge-sagt, bis dahin zwei von den Ursache» ersaßt, die wir in der Physiknäher bestimmt haben, die Materie und das Prineip der Bewegung,jedoch haben sie dieß in halb unverständlicher und keineswegs klarerWeise gethan, sie verfahren vielmehr wie ungeübte Kämpfer, die daund dorthin sich wenden und oft einen wackeren Schlag aussühren,aber ohne ein bewußtes System: so sieht es auch bei jenen Philosophenaus, als wissen sie nicht recht, was sie sagen; denn offenbar ma-chen sie von ihren Sätzen fast gar keinen oder doch nur einen sehr dürf-tigen Gebrauch. Anaxagoras wendet in seiner Construktion der Weltdie Vernunft nur an wie einen cksus ex maodina; nemlich so oft erin Verlegenheit ist, welche Ursache er anführen soll, um die Noth-wendigkeit von etwas zu erweisen, da zieht er die Vernunst herbei,sonst aber sucht er die Ursache der Erscheinungen überall mehr als inder Vernunst. Was den Empedokles betrifft, so geht dieser zwarweiter in der Anwendung seiner Principien, allein doch nicht in ge-nügendem Maß, und sodann bringt er es darin nicht zu einem ein-heitlichen System. Ost ist bei ihm die Freundschaft das trennende,der Streit das verbindende Wenn nemlich das All von dem Streit

Empedokles. .

2)In gewissem Sinn", weil Empedokles nicht selbst diesen weiteren Schrittrhut, sondern dieß blos die Folgerung der Aristoteles ist.

S) Freilich mit innerer Nothwendtgkeit, Denn jede neue Verbindung derStosse ist eine Auslösung einer früheren Verbindung und jede Auflösung ist dieVermittlung einer neuen Verbindung.