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irgend ein anderweitiger praktischer Grund, weßhalb wir diese Erkennt-niß suchen, vielmehr wie uns derjenige für einen freien Menschen gilt,welcher um seiner selbst willen da ist und nicht um eines andern wil-len, so ist es auch bei dieser Wissenschaft, der einzigen , welcher dasPrädikat „frei" zukommt: sie allein ist um ihrer selbst willen da. Da-rum hat man auch nicht so unrecht, wenn man glaubt, daß der Besitzderselben dem Menschen nicht zukomme, ist ja doch die Natur des Men-schen in vielen Stücken unfrei und so mag man mit Simonides sagen "):„der Gottheit allein gebührt solches Ehrenrecht, der Mensch aber sollnur nach der Wissenschaft streben, die ihm zukommt". Ja wenn dieDichter recht haben und die Gottheit wirklich neidisch ist von Natur, somuß das natürlich am meisten in diesen« Fall zutreffen und es müssenalle diejenigen unglücklich sein, welche in irgend etwas das gewöhnlicheMaß überschreiten. Allein einmal ist es nicht denkbar, daß die Gott-heit neidisch sei, sondern, wie das Sprüchwort sagt, die Sänger sagenvieles, was nicht wahr ist; und sodann darf man keine Wissenschaftsür köstlicher halten als eben diese. Denn das göttlichste ist auch dasköstlichste. Diesen Charakter aber hat sie nur dann, wenn ziveierlei beiihr zutrifft: göttlich ist nemlich diejenige Wissenschaft, deren Besitz ammeisten der Gottheit zukommt, und welche, wenn sie überhaupt so denk-bar ist, das göttliche zum Inhalt hat. Nun ist die Weisheit die ein-zige Wissenschaft, von welcher beides gilt: denn erstlich gibt Jedermannzu, daß die Gottheit zu den Ursachen gehört und unter den Principieneine Stelle einnimmt, und zweitens wird ihr Besitz der Gottheit ent-weder ausschließlich oder doch in erster Linie zukoinmen. Wenn daherauch alle andern Wissenschaften praktisch unentbehrlicher sein mögen,so ist doch keine besser als diese. Der Gang dabei muß aber nothwen-dig der sein, daß man, wenn inan einmal im Besitz dieser Wissenschaftist, Empfindungen hat gerade entgegengesetzt denen, die man im An-fang der Untersuchung hatte: man geht nemlich, wie schon gesagt, immeraus von der Verwunderung darüber, ob es so oder so sich verhalte —gerade wie Wunderdinge, die sich von selbst bewegen, einen solchen Ein-druck machen auf diejenigen, welche die Ursachen noch nicht kennen ge-
*) Wörtlich findet sich dieser Anspruch bei Simonides bloß sür die Worte:„der Gottheit — EhreiireHt", Das Folgende ist von Arist. frei gegeben.