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den Weisen gäng und gäbe sind. Erstlich also nimmt mctn an, daßder Weise alles wisse, soweit es möglich ist, ohne das; er nemlich imEinzelnen alles versteht, zweitens halten wir denjenigen für weise,welcher das zu verstehen im Stande ist, dessen Verstündniß den Men-schen schwer und nicht leicht ist; die Sinneswahrnehmung ist nemlichals etwas, was allen gemeinsam ist, leicht und daher keine Weisheit;drittens erkennen wir demjenigen, welcher mit mehr Genauigkeit zuWerk geht, und viertens dem, welcher mehr im Stande ist, die Ur-sachen zu lehren, die höhere Weisheit zu in jeglichem Gebiete des Wis-sens. Sodann unter den Wissenschaften verdient in höherem Grad denNamen „Weisheit" diejenige, welche um ihrer selbst und um des Wis-sens willen erstrebenswerth ist, gegenüber von derjenigen, bei welcherman nur die Resultate im Auge hat, und so ist auch die Wissenschaft,welche zum Herrschen befähigt, in "höherem Grad Weisheit als die,welche dient; denn von dem Weisen nimmt man doch an, daß er sichnicht befehlen lassen, sondern befehlen soll und daß nicht er von einemandern sich leiten lasse, sondern daß der weniger Weise seiner Leitungsich unterwerfe. So lauten nun die verschiedenen Ansichten, welche maninsgemein über den Weisen und die Weisheit hat. Es muß nun dasalles - wissen nothwendigerweise demjenigen zukommen, welcher ammeisten das allgemeine Wissen inne hat; denn ein solcher weiß gewis-sermaßen alles das, was im allgemeinen begriffen ist. Sodann istdieses, nemlich das allgemeine, auch so ziemlich dasjenige, was für denMenschen am schwersten zu verstehen ist, weil es am weitesten entferntist von der sinnlichen Wahrnehmung. Drittens sind die genauestenWissenschaften diejenigen, welche sich wesentlich mit den ersten Grün-den beschäftigen; denn die, welche das einsachere zum Gegenstand haben,sind genauer als diejenigen, welche noch etwas dazu nehmen, wie z. B.die Arithmetik gegenüber der Geometrie'). Ferner ist diejenige Wissen-schaft, welche die Ursachen zum Gegenstand ihrer Betrachtung macht,mehr befähigt zu lehren; denn lehren heißt eben das, daß man dieUrsachen jedes einzelnen Dings angibt. Sodann das Wissen und Ver-stehen um seiner selbst willen trifft am meisten zu bei der Wissenschaft,
l) Indem die Arithmetik bloß mit Größen, die Geometrie auch mit der Aus-dehnung zu thun hat.