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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
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freilich auch das PrädikatMensch" zukommt. Wenn nun Jemandden Begriff hat, aber ohne die Erfahrung, und bei aller Kenntnis; desAllgemeinen doch das im Allgemeinen begriffene Einzelne nicht kennt,so wird ihm die Heilung oft mißlingen; denn die Heilung vollzieht sichzunächst am einzelnen. Aber dennoch sind wir der Ansicht, daß dasWissen und Verstehen der Theorie in höherem Grad zukomme als derErfahrung, und der Theoretiker gilt uns für weiser als der Empiriker,von dem Gesichtspunkt aus, daß immer je nach dem Maß des Wissensauch die Weisheit mehr oder weniger gegeben ist. Die Sache ist nem-lich die, daß die einen die Ursachen kennen, die andern nicht. Die Em-piriker kennen nemlich zwar wohl das Was, das Warum aber kennensie nicht; die Theoretiker dagegen kennen das Warum und die Ursache.Dcßwegen stellen wir auch den Baumeister in jedem einzelnen Fallhöher als den bloßen Handarbeiter und setzen bei dem ersten; ein höhe-res Wissen und ein größeres Maß von Weisheit voraus, eben weildie Baumeister die Ursachen bei ihrem Geschäft kennen, während dieHandarbeiter zwar arbeiten, aber ohne eigentliches Verständniß dessen,was sie arbeiten, wie das auch bei manchen unbeseelten Dingen derFall ist, z. B. beim Feuer, das eben brennt. Das Unbeseelte nunwirkt immer, weil es eben so in seiner Natur liegt, die Handarbeiteraber arbeiten aus Gewohnheit; denn wir müssen immer von dem Ge-sichtspunkt ausgehen, daß die größere Weisheit nicht an die praktischeThäligkeit als solche gebunden ist, sondern daran, ob man den Begriffhat und die Ursache kennt. Im ganzen charakterisirt sich der Wissendedadurch, daß er im Stand ist zu lehren, und dieß ist auch der Grund,weßhalb die Theorie nach unserer Ansicht in höherem Grad ein Wissenist, als die Erfahrung; der Theoretiker nemlich kann seinen Gegenstandlehren, was beim Empiriker nicht der Fall ist. Dazu kommt, daß wirkeine von den Sinneswahrnehmungen unmittelbar mit Weisheit iden-tificiren, trotzdem daß von ihnen durchaus die Kenntnis; der Einzeln-dinge abhängt; allein sie sagen uns niemals das Warum, z. B. wa-rum das Feuer heiß ist, sondern eben nur das Was, daß es heiß ist.Derjenige nun, welcher zuerst sich mit der jedem zukommenden Sinnes-wahrnehmung nicht begnügte, und irgend welche Theorie oder Kunsterfand, mußte natürlich von den Menschen bewundert werden, nichtbloß weil seine Erfindung den oder jenen Nutzen brachte, sondern weil