Erstes Buch.
Erstes Kapitel.
lieber einige Grundbegriffe und über die Aufgabe der Philosophie.
Der Wissenstrieb ist etwas, was zur Natur des Menschen ge-hört. Der Beweis hiesür liegt in der Werthschatzung der Sinneswahr-nehmung. Denn auch abgesehen vom praktischen Bedürsniß legen wiraus diese einen Werth um ihrer selbst willen und ganz besonders ansdiejenigen Sinneswahrnehmungen, welche durch das Auge vermitteltwerden. Denn nicht bloß wo es sich um eine wirkliche Thätigkeit han-delt, sondern auch wo wir keinen solchen Zweck haben, geben wir demGesichtssinn den Vorzug so ziemlich vor allen andern Sinnen. DerGrund liegt darin, daß dieser Weg der Wahrnehmung uns mehr alsdie andern zur Kenntniß der Dinge führt und uns vielfach einen Ein-blick in das specifische Wesen derselben gewährt. So ist es also dieNatur, von welcher die lebenden Wesen unmittelbar die Fähigkeit derSinneswahrnehmnng haben; aus der Sinneswahrnehmung aber er-zeugt sich bei den einen Erinnerung, bei den andern dagegen nicht;und dieß ist der Grund, weßhalb die ersteren verständiger und geleh-riger sind als diejenigen, welchen die Fähigkeit der Erinnerung fehlt.Verständig und Gelehrig sind nicht immer mit einander verbunden;die Gelehrigkeit fehlt den Geschöpfen, welche nicht hören, wie z, B. denBienen '), und andere Thätigkeilen, die etwa hieher zu rechnen sind;dagegen haben die Fähigkeit zu lernen diejenigen Geschöpfe, welche
>) Sonst läßt es Arist. unentschieden, ob die Bienen hören »der nicht.