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5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
Seite
374
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wir auch schon beim Beweis gesagt habe». Man sieht also, daß eseinerseits nicht möglich ist, dieses Vermögen schon zn haben, anderer-seits aber auch unmöglich, daß es in uns komme, wenn wir noch nichtsdavon wissen und es gar nicht haben. Folglich müssen wir nothwen-dig eine gewisse Potenz haben, welche jedoch nicht von der Art ist, daßsie hinsichtlich der Genauigkeit werthvoller wäre'). Es ist aber auchkein Zweifel, daß dieß allen Thieren eigen ist. Sie haben nemlich einangeborenes Unterscheidungsvermögen, welches man sinnliche Wahr-nehmung nennt; auf Grund dieser sinnlichen Wahrnehmung kommt denThieren theils ein Beharren der einzelnen Wahrnehmung zu, theilsnicht. Diejenigen nun, welchen dieses Beharren fehlt, haben, entwederüberhaupt oder in Beziehung ans das, dessen Wahrnehmung nicht bc-harrt, keine weitere Erkenntniß, außer der sinnlichen Wahrnehmung,dagegen diejenigen, welche dieses Beharren haben, nehmen wahr undbehalten sodann in der Seele. Wenn nun dieses oft geschieht, so bil-det sich ein weiterer Unterschied; die einen nemlich gewinnen aus demBeharren der Wahrnehmungen einen Begriff, die andern nicht. Ausder Wahrnehmung geht die Erinnerung hervor, aus der Erinnerungaber, wenn sie wiederholt auf ebendasselbe sich bezieht, die Erfahrung;nemlich die der Zahl nach vielen Erinnerungen bilden zusammen dieErfahrung. Aus der Erfahrung aber oder aus allem Allgemeinen,was in der Seele beharrt, was das Eine bildet neben dem Vielenund was identisch in allem einzelnen ist und dasselbe wie das einzelne daraus bildet sich das Princip der Kunst und des Wissens: derKunst, wenn es sich um ein Werden handelt, des Wissens, wenn essich um das Seiende handelt. So sind also diese Vermögen nicht ab-gesondert, jedes für sich, vorhanden, noch entstehen sie aus andern, derErkenntniß näheren Vermögen, sondern sie beruhen ans der sinnlichenWahrnehmung, wie wenn in der Schlacht eine Flucht entsteht und nunEiner stehen bleibt und dann noch einer und wieder einer, bis manzur anfänglichen Ordnung gekommen W). Die Seele selber aber istihrer Natur nach dazu befähigt, diese Vorgänge in sich aufznnehmen.Was nun schon früher gesagt worden ist, aber nicht deutlich und be-

I? Als das Wissen durch Beweis.

2) So reihen sich die Wahrnehmungen u. s. w. an einander an. Das letz-tere könnte aber auch heißen: bis bis Subordination hcrgestcllt ist.