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5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
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engsten Zusammenhang steht. Man könnte nemlich die Frage erheben:ist das Wissen durch Definition und das Wissen durch Beweis einsund dasselbe und haben beide denselben Gegenstand, oder ist dieß un-möglich? Die Definition nemlich scheint auf die Frage: was ist?sich zu beziehen, das Was ist aber immer allgemein und bejahend; dieSchlüsse dagegen sind theils verneinend, theils nicht allgemein, wiez. B. die Schlüsse in der zweiten Figur sämmtlich verneinend sindund die in der dritten Figur nicht allgemein. Und auch für die be-jahenden Schlüsse der ersten Figur gibt es nicht immer eine Definition,wie z. B. für den Satz, daß in jedem Dreieck die Winkel gleich zweiRechten sind. Der Grund hiefür liegt darin, daß das Wissen des Be-weisbaren soviel ist, als das Haben des Beweises, also wenn es beisolchen Sätzen einen Beweis gibt, so ist klar, daß cs dafür nicht aucheine Definition geben kann, sonst könnte mau wissen schon auf Grundder Definition, ohne den Beweis zu haben; denn es könnte ja rechtwohl sein, daß man nicht beide zugleich hätte. Man kann sich hievongenügend überzeugen auch durch die Induktion: denn wir erkennenniemals etwas durch die Definition, weder von dem an sich Seienden')noch vom Accidentellen. Und wenn die Definition eine Erkenntnißdes Wesens ist, so ist wenigstens das, was bewiesen wird, offenbarnicht das Wesen.

So ist klar, daß es nicht immer eine Definition gibt für das,wofür es einen Beweis gibt. Nun ist aber die weitere Frage: gibt esetwa einen Beweis für alles das, wofür es eine Definition gibt odernicht? Ein Grund ist auch in dieser Beziehung wie in der vorigenFrage geltend zu machen. Für das Eine gibt es, sofern es Eins ist,ein Wissen. Also wenn doch das Wissen des Beweisbaren das Habendes Beweises ist, so würde man auf einen Widerspruch gerathen^):denn der, welcher die Definition hätte, würde ja wissen, ohne Beweis.Ferner sind die Principien der Beweise Definitionen und es ist schonfrüher gezeigt worden, daß es für diese keine Beweise gibt. Sonstwären die Principien beweisbar und es gäbe Principien der Prin-

>) Den Prädikaten eines Gegenstands.

?) Falls man Beweis und Definition identisch nähme.