321
nicht möglich sein, etwas durch Beweis schlechthin zu wissen, sondernwir wissen dann nur bedingungsweise, hypothetisch.
Voni rein logischen Standpunkt aus lassen sich also die angeführ-ten Beweise für unfern Satz beibringen, analytisch') wird es in nochgrößerer Kürze klar auf dem folgenden Weg, das; weder nach obennoch nach unten das Ausgesagte unendlich sein kann im apodiktischenWissen, mit welchem es unsere Untersuchung zu thun hat. Der Beweisnemlich bezieht sich auf das, was an sich den Dingen zukommt. Ansich aber in zweierlei Weise: erstens gehört hierher das, was in einemAndern seinem Wesen nach enthalten ist^), sodann das, welchem, wah-rend es im Subjekt begriffen ist, dieses letztere selber begrifflich zu-kommt; z. B. der Zahl kommt das Ungerade zu, und das Ungeradekommt so also zwar der Zahl zu, aber die Zahl selber ist auch wiederin dem Begriff des Ungeraden enthalten und so ist ferner der BegriffMenge oder der Begriff des Theilbaren in dem Begriff der Zahl ent-halten. Hievon kann aber weder das eine noch das andere unendlichsein, einmal nicht, wie das Ungerade zur Zahl gehört; denn cs wäredann wieder in dem Ungeraden ein Anderes, in welchem das Ungeradeenthalten wäre, während es selber im Ungeraden enthalten ist, ist aberdieß der Fall, so wäre in erster Linie die Zahl enthalten in dem, wasin der Zahl enthalten ist. Wenn es nun nicht möglich ist, daß nachunten hin Unendliches in dem Eins enthalten ist, so wird es auch nachoben kein Unendliches geben. Vielmehr muß Alles dem Ersten noth-wendig zukommeu, also der Zahl, und die Zahl wieder jenem, so daßalso eine Umkehrung stattfindet, aber keines über den Begriff des an-dern hinausreicht. Aber auch das ist nicht unendlich, was in derWesensbestimmung enthalten ist, man könnte es ja dann gar nichtmehr bestimmen. Also wenn alles, was ausgesagt wird, als an sichbezeichnet wird, das aber, was an sich ist, nicht unendlich ist, so gibtes eine Begrenzung in der Richtung nach oben, also auch in der Rich-tung nach unten.
Verhält sich nun die Sache in der angegebenen Weise, so ist auch
>) Logisch — aus allgemeinen Gründen, analytisch --- aus den wesentlichenBestimmungen deS Beweises. S. Biese I, 261.
2s Was zur Definition eines Begriffs gehört.
Aristoteles, Organon.
21