wenn es nemlich ein Erstes gebe. — Die Andern haben zwar gegendas Wissen an sich nichts cinzuwenden, sic geben zn, daß es nur ausBeweis beruhe, aber sie behaupten, es sei ganz wohl möglich Alles zubeweisen; es sei nemlich zulässig, den Beweis im Cirkel zu führen undeins aus dem andern gegenseitig zu beweisen.
Wir dagegen sagen: erstlich ist nicht alles Wissen beweisbar, son-dern das Wissen des Unmittelbaren ist unbeweisbar. Und es ist klar,daß dieß nothwendig so sein muß; ist es nemlich nothwendig, daß mandas Frühere, dasjenige, woraus der Beweis hervorgeht, weiß undbleibt man einmal stehen beim Unmittelbaren, so muß dieses letzterenothwendig unbeweisbar sein. Dieß ist also unsere Behauptung hin-sichtlich dieses Punkts; zweitens aber sagen wir: es gibt nicht bloßein Wissen, sondern auch ein Princip des Wissens, wodurch wir dieBegriffe erkennen. Was aber die Beweisführung im Cirkel betrifft, soist klar, daß diese schlechthin unmöglich ist, wenn doch der Beweis ausdem Früheren und Bekannteren sich ergeben muß; denn es ist doch un-möglich, daß eins und dasselbe zugleich früher und später sei gegenübereinem und demselben, man müßte es denn nur in anderer Weise ver-stehen, nemlich in einem Fall subjektiv, im andern Fall schlechthin, inder Weise, wie die Induktion zur Erkenntniß sührt >). Ist dieß wirk-lich so, so wäre es nicht richtig ausgedrückt, wenn man von einemschlechthinigen Wissen spricht, das Wissen wäre vielmehr in zweifachemSinn zu verstehen, oder man kann den andern Beweis, welcher ausdem uns subjektiv Bekannteren hervorgehtnicht schlechthin Beweisnennen. — Wenn man also sagt, der Beweis könne ein CirkelbeweiSsein, so geräth man in die eben genannte Schwierigkeit, es heißt aberdas auch nichts anderes als sagen: wenn dieses ist, so ist dieses. Ausdiese Weise aber kann man mit Leichtigkeit alles beweisen. Daß manauf dieses Resultat kommt, wird klar, wenn man drei Begriffe an-nimmt; denn ob man sagt, der Beweis kehre zurück durch viele oderdurch wenige Begriffe, macht gar keinen Unterschied, ebensowenig, obdurch wenige oder nur durch zwei. Wenn man nun annimmt: wenn
l> Die Jnduction führt vom subjektiv, für uns Bekannteren, Sinnlichen zumAllgemeinen, der Schluß inacht den umgekehrten Weg,
S) D. h. bi- Induktion.